neue Leitlinien zur Behandlung des klassischen Hodgkin

Die S3-Leitlinie Hodgkin-Lymphom wurde auf Version 3.0 mit Stand Ende Oktober 2020 aktualisiert. Zu finden sind diese hier:

S3 Leitlinie Hodgkin Lymphom Langversion

S3 Leitlinie Hodgkin Lymphom Kurzversion

S3 Leitlinie Hodgkin Lymphom Leitlinienreport

Brexucabtagen Autoleucel (Tecartus) vor Marktzulassung für MCL

Das CHMP (Committee for Medicinal Products for Human Use) hat sich für eine bedingte Marktzulassung von Brexucabtagen Autoleucel (Tecartus) für erwachsener Patienten mit Mantelzell-Lymphom (MCL), wenn die Erkrankung therapierefraktär ist oder ein Rezidiv auftritt (r/r MCL), ausgesprochen. Ein rezidivertes Mantelzell-Lymphom hat nach wie vor eine schlechte Prognose, was nun Tecartus ändern will.

Bei Brexucabtagen Autoleucel (Tecartus) handelt es sich um genetisch modifizierte autologe Anti-CD19-CD3+-Zellen.

Die multizentrische Phase-II-Zulassungsstudie inkludierte 74 Patienten. Beim 12-Monate-Follow-up betrug die objektive Ansprechrate 85 %, 59 % der Patienten erreichten ein komplettes Ansprechen. Das geschätzte progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben lagen nach 12 Monaten bei 61 %.

Zu den häufigsten höhergradigen Nebenwirkungen zählten Zytopenien, Infektionen, Cytokin Release Syndrom und neurologische Events.

Referenz:
Wang M et al., New Engl J Med 2020; 382(14):1331-1342

Ergebnisse der Chronos-3-Studie bei rezidivierten indolenten Non-Hodgkin-Lymphomen

Das Ergebnis der CHRONOS-3-Studie zeigt das die Kombination Copanlisib (Aliqopa) von BAYER und Rituximab (MabThera) vom Hersteller ROCHE signifikant das progressionsfreie Überleben von Patienten mit rezidiviertem indolenten Non-Hodgkin-Lymphom verbessern kann.

Innerhalb der Phase-III-Studie wurden 458 Patienten mit follikulärem Lymphom, Marginalzonen-Lymphom, kleinem lymphatischen Lymphom und Lymphoplasmazyten-Lymphom/Waldenström-Makroglobulinämie untersucht.

Copanlisib ist ein intravenös zu verabreichender PI3K-Inhibitor. Copanlisib wurde an den Tagen 1, 8 und 15 jedes 28-tägigen Zyklus zusätzlich zu Rituximab verabreicht, das wöchentlich während des Zyklus 1 an den Tagen 1, 8, 15 und 22 und dann am Tag 1 der Zyklen 3, 5, 7 und 9 verabreicht wurde.

Die genauen Ergebnisse von CHRONOS-3 werden demnächst auf einem wissenschaftlichen Kongress präsentiert.

ACD stellt Zulassungsantrag für Loncastuximab Tesirin (Lonca)

Das Schweizer Biotech-Unternehmen ADC Therapeutics stellt einen Zulassungsantrag bei der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA für Loncastuximab Tesirin (Lonca) für die Therapie von Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem diffus grosszelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL).

Der Zulassungsantrag basiere auf Daten der Studie LOTIS 2. Bis zum Stichtag, 06. April 2020, nahmen 145 DLBCL-Patienten an der Studie teil, die sich median 3 früheren Therapielinien unterzogen hatten. Lonca erzielte eine Gesamtansprechrate von 48,3 Prozent (70/145 Patienten) und eine komplette Ansprechrate von 24,1 Prozent (35/145 Patienten). Die häufigsten therapiebezogenen unerwünschten Reaktionen 3. oder höheren Grades, die bei mindestens 10 Prozent der Patienten auftraten, waren: Neutropenie (25,5 %) mit einer niedrigen Inzidenz fiebriger Neutropenie (3,4 %), Thrombozytopenie (17,9 %), erhöhte GGT-Werte (16,6 %) und Anämie (10,3 %).

Aktuell prüft ACD in der Studie LOTIS 5 die Wirksamkeit von Lonca in Kombination mit Rituximab. Diese Studie soll einen ergänzenden BLA-Antrag für Lonca als Zweitlinientherapie zur Behandlung von rezidiviertem oder refraktärem DLBCL unterstützen.

Loncastuximab-Tesirin (Lonca, vormals ADCT-402) ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (AWK), das aus einem humanisierten monoklonalen Antikörper gegen humanes CD19 besteht und über einen Linker mit einem Pyrrolobenzodiazepin-Dimer-Zytotoxin konjugiert wird.

ELARA-Studie – CAR-T beim follikulären Lymphom (FL)

In der Phase-II-Studie ELARA wird gerade die Wirkung der CAR-T-Therapie mit Tisagenlecleucel (Kymriah) beim rezidiviertem oder refraktärem (r/r) follikulärem Lymphom (FL) untersucht.

Bei der Zwischenanalyse erreichte die globale Studie ihren primären Endpunkt der Gesamtansprechrate (CRR).Es wurden keine neuen Sicherheitssignale zu Kymriah beobachtet.

Die Ergebnisse der ELARA-Studie will Novartis in Kürze präsentieren und in die Zulassungsanträge für die USA und die EU stellen.

An dieser internationalen Studie haben Patienten aus über 30 Zentren in 12 Ländern weltweit teilgenommen.

Ruxience – neuer Biosimilar von Rituximab

Mit Ruxience von Pfizer steht jetzt mittlerweile bereits der 3. Biosimilar von Ritixumab (Mabthera) am Markt zur Verfügung. Der Antikörper zur Herstellung einer Infusionslösung ist in 100 mg und 500 mg verfügbar. Biosimilar sind Nachbauten des Originalproduktes, die meist günstiger am Markt angeboten werden.

Die anderen Biosimilar sind Rixathon (Sandoz) und Truxima (Mundipharma). Roche selbst brachte 2014 noch eine Variante zur subkutanen Infusion auf dem Markt.

Das Ritixumab (Mabthera) von Roche wurde vor mehr als 20 Jahren auf den Markt gebracht. Der Patentschutz lief 2013 ab.

Studie LOTIS 3 startet (DLBCL / MCL)

Die Studie LOTIS3 vom Hersteller ADC Therapeutics testet die Kombination Loncastuximab-Tesirin (Lonca vormals ADCT-402) in Kombination mit Ibrutinib bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) oder Mantelzell-Lymphom (MCL), nach dem der Phase-I-Teil der Studie gute Ergebnisse lieferte. Ziel der Studie ist, die Einreichung eines Biologika-Lizenzantrags bei der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA.

Die Studie ermittelt Daten in 3 Kohorten: nicht keimzentrumsartiges B-Zell-Lymphom (Nicht-GCB) DLBCL, GCB DLBCL und Mantelzelllymphom (MCL). Im Phase-I-Teil der Studie zeigte sich eine Gesamtansprechrate von 75% sowie eine vollständige Ansprechrate von 58,3%.

Innerhalb der Studie erhielten die Patienten 60 μg/kg Lonca in Kombination mit Ibrutinib (560 mg/Tag) bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem DLBCL oder MCL. Die Kombination wies ein beherrschbares Toxizitätsprofil auf, wobei die häufigsten therapiebedingten unerwünschten Nebenwirkungen vom Grad ≥3 bei ≥10 % der Patienten Thrombozytopenie (20 %) und Anämie (12 %) waren.

Lonca ist ein ein auf CD19 ausgerichtetes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat und Ibrutinib, ein niedermolekularer Inhibitor der Bruton-Tyrosinkinase.

Uniklinik Ulm startet Krebsregister für follikuläre Lymphome (FL)

Die Uniklinik Ulm, unter der Leitung von Christian Buske (Ärztlicher Direktor am Comprehensive Cancer Center Ulm (CCCU)), hat ein nationales Register für Patienten mit follikulärem Lymphom eingerichtet. Dem Register sollen sich laut Planung 100 Krebszentren aus ganz Deutschland anschließen und Daten zu Patienten mit einem follikulären Lymphom liefern.

Das follikuläre Lymphom ist eine häufige Form des Non-Hodgkin-Lymphoms. Es verläuft oft langsam und weniger aggressiv. Bei einer großen Mehrzahl der Patienten wird es daher erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert.

Die Uniklinik Ulm führt bereits das deutschlandweite Register für Marginalzonen-Lymphome.

Mit dem Register sollen zukünftig Patientendaten vergleichbar gemacht werden, um so bessere und einheitliche Therapieentscheidungen treffen zu können.

Bestrahlung von Lymphomen während der Corona-Pandemie

Patienten mit malignen hämatologischen Erkrankungen zählen auch wegen dem geschwächten Immunsystem zur Risikogruppe des SARS-CoV-2-Virus. Ein Fachgremium der International Lymphoma Radiation Oncology Group (ILROG) unter Dr. Joachim Yahalom vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York sprach jetzt Empfehlungen zur Bestrahlung von Lymphomen in Zeiten der Corona-Pandemie aus.

Zeichnet sich das Risiko für einen schweren Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion bei einem Patienten ab, sollte man unter gewissen Umständen auf die Bestrahlung verzichten. Darunter fallen Patienten

  • ab 60 Jahren mit schweren Vorerkrankungen.
  • Patienten in einer palliativen Behandlung mit Alternativen zur Bestrahlung
  • komplette Entfernung eines lokalen niedrig-malignen Lymphoms oder eines lymphozytenprädominanten Hodgkin-Lymphoma
  • aggressives Non-Hodgkin-Lymphom bzw. diffus großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL), bei dem nach beendeter Chemo eine komplette Remission erreicht wurde

Generell sollte die erfolgreiche Tumorbehandlung aber im Vordergrund stehen und bei jedem Patienten individuell entschieden werden. Als Alternative stünde eine Verschiebung der Bestrahlung auf einen späteren Zeitpunkt, wenn dies die Prognose des Patienten nicht oder nur geringfügig beeinträchtigt und dadurch kein Krankheitsprogress zu erwarten ist.

Quelle:
Yahalom J et al. Blood 2020; 135: 1829-1832; DOI: 10.1182/blood.2020006028

Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) kritisiert die Kosten von CAR-T

Die CAR-T-Zell-Therapie ist ein Hoffnungsschimmer für die Behandlung von hartnäckigen (refraktären) Lymphomen. Allerdings ist dies auch eine sehr kostenintensive Behandlung. Die Hersteller Novartis und Gilead verlangen bis zu knapp 300.000 Euro pro Patient. Die wird von Experten des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) aktuell kritisiert, in einer Vollkosten-Kalkulation haben sie errechnet, das die Produktion um Faktor 5 günstiger ist.

In der Kostenkalkulation landete man am Ende bei knapp 60.000 € je Patient unter Berücksichtigung der Kosten für die Einrichtung eines Reinraums, Labormaterialien, Geräteausstattung sowie sämtliche Lohn- und Lohnnebenkosten.

Quelle:
DOI: 10.1002/ijc.33156
Tao Ran, Stefan B. Eichmüller, Patrick Schmidt, Michael Schlander: Cost of decentralized CAR T cell production in an academic non-profit setting. International Journal of Cancer 2020.

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