ACD stellt Zulassungsantrag für Loncastuximab Tesirin (Lonca)

Das Schweizer Biotech-Unternehmen ADC Therapeutics stellt einen Zulassungsantrag bei der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA für Loncastuximab Tesirin (Lonca) für die Therapie von Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem diffus grosszelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL).

Der Zulassungsantrag basiere auf Daten der Studie LOTIS 2. Bis zum Stichtag, 06. April 2020, nahmen 145 DLBCL-Patienten an der Studie teil, die sich median 3 früheren Therapielinien unterzogen hatten. Lonca erzielte eine Gesamtansprechrate von 48,3 Prozent (70/145 Patienten) und eine komplette Ansprechrate von 24,1 Prozent (35/145 Patienten). Die häufigsten therapiebezogenen unerwünschten Reaktionen 3. oder höheren Grades, die bei mindestens 10 Prozent der Patienten auftraten, waren: Neutropenie (25,5 %) mit einer niedrigen Inzidenz fiebriger Neutropenie (3,4 %), Thrombozytopenie (17,9 %), erhöhte GGT-Werte (16,6 %) und Anämie (10,3 %).

Aktuell prüft ACD in der Studie LOTIS 5 die Wirksamkeit von Lonca in Kombination mit Rituximab. Diese Studie soll einen ergänzenden BLA-Antrag für Lonca als Zweitlinientherapie zur Behandlung von rezidiviertem oder refraktärem DLBCL unterstützen.

Loncastuximab-Tesirin (Lonca, vormals ADCT-402) ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (AWK), das aus einem humanisierten monoklonalen Antikörper gegen humanes CD19 besteht und über einen Linker mit einem Pyrrolobenzodiazepin-Dimer-Zytotoxin konjugiert wird.

ELARA-Studie – CAR-T beim follikulären Lymphom (FL)

In der Phase-II-Studie ELARA wird gerade die Wirkung der CAR-T-Therapie mit Tisagenlecleucel (Kymriah) beim rezidiviertem oder refraktärem (r/r) follikulärem Lymphom (FL) untersucht.

Bei der Zwischenanalyse erreichte die globale Studie ihren primären Endpunkt der Gesamtansprechrate (CRR).Es wurden keine neuen Sicherheitssignale zu Kymriah beobachtet.

Die Ergebnisse der ELARA-Studie will Novartis in Kürze präsentieren und in die Zulassungsanträge für die USA und die EU stellen.

An dieser internationalen Studie haben Patienten aus über 30 Zentren in 12 Ländern weltweit teilgenommen.

Ruxience – neuer Biosimilar von Rituximab

Mit Ruxience von Pfizer steht jetzt mittlerweile bereits der 3. Biosimilar von Ritixumab (Mabthera) am Markt zur Verfügung. Der Antikörper zur Herstellung einer Infusionslösung ist in 100 mg und 500 mg verfügbar. Biosimilar sind Nachbauten des Originalproduktes, die meist günstiger am Markt angeboten werden.

Die anderen Biosimilar sind Rixathon (Sandoz) und Truxima (Mundipharma). Roche selbst brachte 2014 noch eine Variante zur subkutanen Infusion auf dem Markt.

Das Ritixumab (Mabthera) von Roche wurde vor mehr als 20 Jahren auf den Markt gebracht. Der Patentschutz lief 2013 ab.

Studie LOTIS 3 startet (DLBCL / MCL)

Die Studie LOTIS3 vom Hersteller ADC Therapeutics testet die Kombination Loncastuximab-Tesirin (Lonca vormals ADCT-402) in Kombination mit Ibrutinib bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) oder Mantelzell-Lymphom (MCL), nach dem der Phase-I-Teil der Studie gute Ergebnisse lieferte. Ziel der Studie ist, die Einreichung eines Biologika-Lizenzantrags bei der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA.

Die Studie ermittelt Daten in 3 Kohorten: nicht keimzentrumsartiges B-Zell-Lymphom (Nicht-GCB) DLBCL, GCB DLBCL und Mantelzelllymphom (MCL). Im Phase-I-Teil der Studie zeigte sich eine Gesamtansprechrate von 75% sowie eine vollständige Ansprechrate von 58,3%.

Innerhalb der Studie erhielten die Patienten 60 μg/kg Lonca in Kombination mit Ibrutinib (560 mg/Tag) bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem DLBCL oder MCL. Die Kombination wies ein beherrschbares Toxizitätsprofil auf, wobei die häufigsten therapiebedingten unerwünschten Nebenwirkungen vom Grad ≥3 bei ≥10 % der Patienten Thrombozytopenie (20 %) und Anämie (12 %) waren.

Lonca ist ein ein auf CD19 ausgerichtetes Antikörper-Wirkstoff-Konjugat und Ibrutinib, ein niedermolekularer Inhibitor der Bruton-Tyrosinkinase.

Uniklinik Ulm startet Krebsregister für follikuläre Lymphome (FL)

Die Uniklinik Ulm, unter der Leitung von Christian Buske (Ärztlicher Direktor am Comprehensive Cancer Center Ulm (CCCU)), hat ein nationales Register für Patienten mit follikulärem Lymphom eingerichtet. Dem Register sollen sich laut Planung 100 Krebszentren aus ganz Deutschland anschließen und Daten zu Patienten mit einem follikulären Lymphom liefern.

Das follikuläre Lymphom ist eine häufige Form des Non-Hodgkin-Lymphoms. Es verläuft oft langsam und weniger aggressiv. Bei einer großen Mehrzahl der Patienten wird es daher erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert.

Die Uniklinik Ulm führt bereits das deutschlandweite Register für Marginalzonen-Lymphome.

Mit dem Register sollen zukünftig Patientendaten vergleichbar gemacht werden, um so bessere und einheitliche Therapieentscheidungen treffen zu können.

Bestrahlung von Lymphomen während der Corona-Pandemie

Patienten mit malignen hämatologischen Erkrankungen zählen auch wegen dem geschwächten Immunsystem zur Risikogruppe des SARS-CoV-2-Virus. Ein Fachgremium der International Lymphoma Radiation Oncology Group (ILROG) unter Dr. Joachim Yahalom vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York sprach jetzt Empfehlungen zur Bestrahlung von Lymphomen in Zeiten der Corona-Pandemie aus.

Zeichnet sich das Risiko für einen schweren Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion bei einem Patienten ab, sollte man unter gewissen Umständen auf die Bestrahlung verzichten. Darunter fallen Patienten

  • ab 60 Jahren mit schweren Vorerkrankungen.
  • Patienten in einer palliativen Behandlung mit Alternativen zur Bestrahlung
  • komplette Entfernung eines lokalen niedrig-malignen Lymphoms oder eines lymphozytenprädominanten Hodgkin-Lymphoma
  • aggressives Non-Hodgkin-Lymphom bzw. diffus großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL), bei dem nach beendeter Chemo eine komplette Remission erreicht wurde

Generell sollte die erfolgreiche Tumorbehandlung aber im Vordergrund stehen und bei jedem Patienten individuell entschieden werden. Als Alternative stünde eine Verschiebung der Bestrahlung auf einen späteren Zeitpunkt, wenn dies die Prognose des Patienten nicht oder nur geringfügig beeinträchtigt und dadurch kein Krankheitsprogress zu erwarten ist.

Quelle:
Yahalom J et al. Blood 2020; 135: 1829-1832; DOI: 10.1182/blood.2020006028

Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) kritisiert die Kosten von CAR-T

Die CAR-T-Zell-Therapie ist ein Hoffnungsschimmer für die Behandlung von hartnäckigen (refraktären) Lymphomen. Allerdings ist dies auch eine sehr kostenintensive Behandlung. Die Hersteller Novartis und Gilead verlangen bis zu knapp 300.000 Euro pro Patient. Die wird von Experten des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) aktuell kritisiert, in einer Vollkosten-Kalkulation haben sie errechnet, das die Produktion um Faktor 5 günstiger ist.

In der Kostenkalkulation landete man am Ende bei knapp 60.000 € je Patient unter Berücksichtigung der Kosten für die Einrichtung eines Reinraums, Labormaterialien, Geräteausstattung sowie sämtliche Lohn- und Lohnnebenkosten.

Quelle:
DOI: 10.1002/ijc.33156
Tao Ran, Stefan B. Eichmüller, Patrick Schmidt, Michael Schlander: Cost of decentralized CAR T cell production in an academic non-profit setting. International Journal of Cancer 2020.

Mogamulizumab – neuer Antikörper für das kutane T-Zell-Lymphom

Mycosis fungoides und Sézary-Syndrom zählen zu den häufigsten kutanen T-Zell-Lymphomen. Mit Mogamulizumab (Poteligeo) steht nun ein neuer CCR4-Antikörper für Behandlung zur Verfügung. Die entarteten T-Zellen exprimieren das Protein C-C-Chemokinrezeptor 4 (CCR4), das es ihnen ermöglicht, vom Blut in die Haut zu gelangen. Dieses Protein nutzt der Antikörper Mogamulizumab für sein Wirkschema jetzt aus.

Mogamulizumab (Poteligeo®) ist indiziert zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit Mycosis fungoides (MF) oder Sézary-Syndrom (SS), die mindestens eine vorherige Therapie durchlaufen haben.

Die Zulassung von Mogamulizumab basiert auf der Phase-III-Studie MAVORIC, an der 372 Patienten mit MF oder SS teilnahmen. Innerhalb der Studie erhielten die Patienten randomisiert Mogamulizumab oder Vorinostat.

Im Arm mit Mogamulizumab reduzierte sich das Progressionsrisiko um 47%. Im Durchschnitt lebten die Patienten ca. 7,7 Monate ohne Fortschreiten der Krankheit, in der Gruppe mit Vorinostat nur 3,1 Monate. Die Gesamtansprechrate lag bei 28%, im Vergleichsarm mit Vorinostat bei nur 4,8%. Die Gesamtdauer des Ansprechens lag bei Mogamulizumab bei 14 Monaten und bei Vorinostat bei 9 Monaten.

Die häufigsten schwerwiegenden Nebenwirkungen waren Pneumonie, Fieber, Reaktionen im Zusammenhang mit der Infusion und eitrige Entzündungen der Unterhaut (Phlegmone). Als häufigste Nebenwirkungen traten Reaktionen im Zusammenhang mit der Infusion und Ausschlag auf. Diese waren zumeist nicht schwerwiegend (Schweregrade 1 oder 2).

Die empfohlene Dosis für die intravenöse Infusion beträgt 1 mg pro kg Körpergewicht über 60 Minuten an den Tagen 1, 8, 15 und 22 des ersten 28-tägigen Zyklus. Anschließend erfolgen die Infusionen alle zwei Wochen an den Tagen 1 und 15 jedes nachfolgenden 28-tägigen Zyklus bis zum Fortschreiten der Erkrankung oder dem Auftreten inakzeptabler Toxizität.

Phase-II-Daten der R2A-Chemo bei Non-GCB-DLBCL-Patienten

Celltrion Healthcare veröffentliche Daten der R2A-Phase-II-Studie von Truxima® (Rituximab-Biosimilar), Lenalidomid und Acalabrutinib (R2A) bei rezidivierten/refraktären aggressiven B-Zell-Lymphomen. Ziel dieser klinischen Phase-II-Studie seit Juli 2019 war es, die Toxizität und Wirksamkeit des R2A-Schemas bei rezidivierten/refraktären aggressiven B-Zell-Lymphomen zu untersuchen.

Innerhalb der Studie wurden 22 Patienten mit einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 3,2 Monaten behandelt. Die Mehrheit der Patienten (73 %) litt an einem nicht keimzentrumsartigen diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (Non-GCB DLBCL).

In jedem Zyklus erhielten die Patienten an Tag 1 eine intravenöse Injektion mit 375 mg/m2 Rituximab, von Tag 1 – 21 einmal täglich 20 mg Lenalidomid und von Tag 1 – 28 zweimal täglich 100 mg Acalabrutinib. Die Dauer des Zyklus beträgt 28 Tage, alle Patienten erhielten 6 Zyklen.

Bei Patienten die auf die Therapie ansprachen wurde eine Erhaltungstherapie mit Acalabrutinib bis zu einem Jahr verabreicht.

Von den 13 Patienten, die in die Studienbeobachtung Daten lieferten, zeigten 69& ein objektives Ansprechen auf die Therapie, davon erreichten 31% eine komplette Remission (CR). Das 6-Monate progressionsfreie Überleben (PFS) lag bei 83%.

Ergebnisse der Studie HD17 zum Hodgkin Lymphom

Die Studie HD17 der GHSG in Köln untersuchte, ob man die Bestrahlung beim Hodgkin Lymphom (HL) einsparen kann, da diese mit späteren Toxitäten einhergehen kann. Innerhalb der Studie bekamen die Patienten 2 Zyklen BEACOPP eskaliert und 2 Zyklen ABVD und im Anschluss eine Bestrahlung nach einem durchgeführten PET-CT.

In die randomisierte HD17-Studie wurden 1.100 Patienten mit einem neu diagnostizierten Hodgkin Lymphom eingeschlossen, von denen 428 Patienten im Standard-Arm mit Bestrahlung und 477 im PET-geführten Studienarm (ohne Bestrahlung bei PET-negativen Patienten) behandelt wurden. Mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 46 Monaten war das 5-Jahres progressionsfreie Überleben (PFS) in beiden Armen vergleichbar mit 95,1 % mit PET-geführten Arm der Bestrahlung und 97,3% im Standardarm mit Bestrahlung. Auch das Gesamtüberleben (OS) war in beiden Armen nahezu identisch mit 98,5 mit PET-gesteuerten Arm der Bestrahlung und 98,8% im Standardarm.

Die PET-geführte Chemotherapie/Bestrahlung ist aktueller GHSG-Standard für die Behandlung von neu diagnostizierten Patienten mit Hodgkin Lymphom im mittleren Stadium.

Quelle:
Borchert P et al.: Position emission tomography guided omission of radiotherapy in early-stage unfavorable Hodgkin lymphoma: Final results of the international, randomized phase III HD17 trial by the GHSG. EHA 2020, Abstr. #S101

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