Nivolumab (Opdivo) und Chemotherapie in der Erstlinie

Die Kombination aus Nivolumab (Opdivo) und Chemotherapie rückt beim klassischen Hodgkin-Lymphom in der Erstlinie stärker in den Fokus. Hintergrund ist eine neue FDA-Zulassung vom 20. März 2026 für Erwachsene und pädiatrische Patientinnen und Patienten ab 12 Jahren mit zuvor unbehandeltem klassischem Hodgkin-Lymphom im Stadium III oder IV. Zugelassen wurde Nivolumab in Kombination mit Doxorubicin, Vinblastin und Dacarbazin (AVD).

Warum die Erstlinientherapie wichtig ist

Das klassische Hodgkin-Lymphom gehört zu den Krebserkrankungen mit sehr guten Heilungschancen, besonders bei jüngeren Menschen. Gleichzeitig waren die über Jahrzehnte eingesetzten Standardchemotherapien nicht frei von Spätfolgen. Ein zentraler Kritikpunkt war die Lungentoxizität bleomycinhaltiger Regime wie ABVD. Die neue Kombination mit Nivolumab und AVD verzichtet auf Bleomycin und verfolgt damit das Ziel, Wirksamkeit und Verträglichkeit besser auszubalancieren.

Was die SWOG-S1826-Studie zeigte

Die Zulassung stützt sich auf die randomisierte, offene, multizentrische SWOG-S1826-Studie mit 994 zuvor unbehandelten Personen. Verglichen wurden Nivolumab plus AVD und Brentuximab-Vedotin plus AVD. Der Artikel nennt für Nivolumab plus AVD eine deutliche Risikoreduktion beim Fortschreiten der Erkrankung (Hazard Ratio 0,42) sowie einen Überlebensvorteil bei einer medianen Nachbeobachtung von 36,7 Monaten. Schwere unerwünschte Ereignisse traten in einem beherrschbaren Rahmen auf.

Dosierung und Anwendung

Genannt werden 240 mg Nivolumab für Patientinnen und Patienten ab 40 kg Körpergewicht oder 3 mg/kg für pädiatrische Patientinnen und Patienten unter 40 kg. Die Gabe erfolgt intravenös zusammen mit AVD an den Tagen 1 und 15 eines 28-tägigen Zyklus, insgesamt über sechs Zyklen. Ab dem ersten Zyklus ist eine primäre G-CSF-Prophylaxe vorgesehen.

Einordnung für die Praxis

Die Erstlinienzulassung markiert einen wichtigen Schritt in Richtung immuntherapiebasierter Kombinationen beim Hodgkin-Lymphom. Sie erweitert die Behandlungsmöglichkeiten für fortgeschrittene Stadien und zielt darauf, Heilungschancen mit einem günstigeren Nebenwirkungsprofil zu verbinden. Für Fachkreise ist das vor allem deshalb relevant, weil sich damit ein neuer Standard gegenüber älteren bleomycinhaltigen Ansätzen abzeichnet.

Quellen

Drozdogan: „Neuer Standard bei Hodgkin-Lymphom: Nivolumab (Opdivo) und Chemotherapie in der Erstlinie“ (https://www.drozdogan.com/de/neuer-standard-bei-hodgkin-lymphom-nivolumab-opdivo-und-chemotherapie-in-der-erstlinie/)
FDA: https://www.fda.gov/drugs/resources-information-approved-drugs/fda-approves-nivolumab-chemotherapy-previously-untreated-hodgkin-lymphoma

Quelle: fda.gov

EPCORE DLBCL-2: Phase-3-Studie zu Epcoritamab erreicht primären Endpunkt

AbbVie und Genmab haben gemeldet, dass die Phase-3-Studie EPCORE DLBCL-2 ihren primären Endpunkt erreicht hat. Im Mittelpunkt steht der Antikörper Epcoritamab, der in Kombination mit R-CHOP bei neu diagnostiziertem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) das progressionsfreie Überleben signifikant verbessert haben soll.

Worum es in der Studie geht

DLBCL gehört zu den aggressiven Formen des Non-Hodgkin-Lymphoms und ist die häufigste Untergruppe der B-Zell-Lymphome. Gerade bei neu diagnostizierten Patientinnen und Patienten ist die Erstlinientherapie entscheidend für den weiteren Krankheitsverlauf. Wenn neue Kombinationen hier bessere Ergebnisse liefern, kann das klinisch besonders relevant sein.

Was der gemeldete Studienerfolg bedeutet

Nach den Angaben im Bericht erreichte die Studie ihren primären Endpunkt beim progressionsfreien Überleben. Das bedeutet, dass die untersuchte Kombination das Fortschreiten der Erkrankung im Vergleich zum Kontrollarm signifikant verzögern konnte. Solche Ergebnisse gelten in der Onkologie als wichtiger Schritt, reichen aber für eine abschließende Bewertung noch nicht allein aus.

Warum Einordnung wichtig bleibt

Die aktuelle Meldung stützt sich auf eine zusammenfassende Unternehmens- und Börsenberichterstattung. Für Betroffene und Angehörige ist deshalb wichtig zu wissen: Erst detaillierte Studiendaten zeigen, wie groß der tatsächliche Nutzen ist, welche Nebenwirkungen beobachtet wurden und für welche Patientengruppen die Therapie besonders geeignet sein könnte. Auch regulatorische Bewertungen stehen in der Regel noch aus.

Ein möglicher Fortschritt bei B-Zell-Lymphomen

Epcoritamab ist bereits seit Längerem ein viel beachteter Wirkstoffkandidat in der Behandlung bestimmter B-Zell-Lymphome. Wenn sich der gemeldete Vorteil in den vollständigen Studiendaten bestätigt, könnte das die therapeutischen Möglichkeiten bei DLBCL erweitern. Für die Behandlung von Hodgkin-Lymphomen ist diese Studie zwar nicht direkt bestimmt, für die Forschung an Lymphomerkrankungen insgesamt ist sie dennoch relevant.

Fazit

Die Nachricht zu EPCORE DLBCL-2 deutet auf einen wichtigen Fortschritt in der Therapie des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms hin. Noch fehlt jedoch die vollständige wissenschaftliche Aufarbeitung. Bis dahin bleibt die Meldung vor allem ein ermutigendes Signal aus der klinischen Forschung.

 

Glo-BNHL: Neue Therapiestudie für B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom für Kinder und Jugendliche

Die Schweizerische Pädiatrische Onkologie Gruppe (SPOG) hat mit Glo-BNHL eine neue internationale Therapiestudie für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom gestartet. Die Studie richtet sich an Patientinnen und Patienten, deren Erkrankung auf die bisherige Behandlung nicht ausreichend anspricht oder nach einer Therapie zurückkehrt.

Warum die Studie wichtig ist

Lymphome machen laut SPOG rund 10 Prozent der Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter aus. Besonders schwierig ist die Behandlung bei rückfälligem oder therapieresistentem B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom. Nach Angaben der SPOG hilft die derzeitige Standardtherapie in dieser Situation nur etwa einem Drittel der Betroffenen. Entsprechend groß ist der Bedarf an neuen, wirksameren Behandlungsoptionen.

Adaptives Studiendesign

Glo-BNHL setzt auf ein adaptives Studiendesign. Dabei prüfen die Forschenden fortlaufend, welche neuen Therapieansätze sich bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom oder verwandten Erkrankungen als vielversprechend gezeigt haben. Geeignete Wirkstoffe oder Behandlungskonzepte können dann in die laufende Studie für jüngere Betroffene aufgenommen werden.

Mehrere neue Therapieansätze werden parallel untersucht. Weniger wirksame Behandlungsarme können dabei zügig ersetzt werden. Dieses flexible Vorgehen soll helfen, schneller auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu reagieren und aussichtsreiche Optionen rascher zu prüfen.

Studienstart in Lausanne

Nach Angaben der SPOG wurde Glo-BNHL jetzt an der Mitgliedsklinik CHUV in Lausanne eröffnet. Aufgrund der sehr kleinen Fallzahlen in der Schweiz – erwartet wird etwa eine Patientin oder ein Patient pro Jahr – wird die Studie hierzulande zunächst nur an diesem Standort angeboten.

Einordnung

Die Studie zeigt, wie wichtig internationale Zusammenarbeit bei seltenen Krebserkrankungen ist. Gerade bei kleinen Patientenzahlen können adaptive und multizentrische Studien helfen, neue Therapien strukturiert und zugleich effizient zu bewerten. Für betroffene Familien bedeutet das vor allem die Chance auf zusätzliche Behandlungsoptionen in einer besonders schwierigen Krankheitsphase.

Quellen

Langzeitstudie zu Ibrutinib bei B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom und cGVHD

Für Menschen mit B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom oder chronischer Graft-versus-Host-Erkrankung (cGVHD), die bereits in einer früheren klinischen Studie mit Ibrutinib behandelt wurden, läuft derzeit eine Langzeitstudie weiter. Ziel ist es, langfristige Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit des BTK-Hemmers zu sammeln und den Teilnehmenden den weiteren Zugang zur Behandlung zu ermöglichen.

Studie für bereits vorbehandelte Teilnehmende

Die Studie richtet sich an Personen, die an einer abgeschlossenen Ibrutinib-Studie teilgenommen haben, zum Zeitpunkt des Studieneintritts weiter aktiv mit Ibrutinib behandelt werden und nach Einschätzung des Studienteams noch von der Therapie profitieren. In der Beschreibung wird Ibrutinib als orale Kapseltherapie genannt; außerdem werden regelmäßige Sicherheitskontrollen und Verlaufskontrollen des Krankheitsstatus angekündigt.

Nach Angaben auf klinischestudien.de ist das Studienende derzeit für den 31. Dezember 2026 vorgesehen. Genannt werden Studienzentren unter anderem in Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Polen, Portugal, Griechenland und Spanien. Damit handelt es sich nicht um eine neue Erstbehandlung, sondern um eine Fortsetzungs- beziehungsweise Langzeitbeobachtungsstudie für bereits eingeschlossene Patientinnen und Patienten.

Wichtiger Hinweis zur Einordnung

Die auf der Plattform veröffentlichte Zusammenfassung enthält einzelne Unschärfen. So wird die Studie einerseits als offen beschrieben, andererseits wird ein Placebo erwähnt. Für Interessierte ist deshalb besonders wichtig, die konkreten Ein- und Ausschlusskriterien sowie den aktuellen Rekrutierungsstatus direkt mit einem Studienzentrum zu klären. Klar erkennbar ist jedoch, dass die Teilnahme im Regelfall eine vorangegangene Ibrutinib-Studie voraussetzt.

Quellen:
klinischestudien.de: Langzeitstudie zu Ibrutinib bei Patienten mit B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom und chronischer Graft-versus-Host-Krankheit (cGVHD)

MK-1045 : Studie prüft Monotherapie und Kombination mit Tocilizumab

Für Erwachsene mit rezidiviertem oder refraktärem Non-Hodgkin-Lymphom läuft derzeit eine klinische Studie mit dem Prüfpräparat MK-1045. Untersucht wird das Medikament allein oder in Kombination mit Tocilizumab. Nach Angaben der Studienplattform sollen Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit der Behandlung überprüft werden.

Für mehrfach vorbehandelte Betroffene

Die Studie richtet sich an Patientinnen und Patienten, deren Erkrankung nach mindestens zwei vorherigen systemischen Therapien zurückgekehrt ist oder nicht mehr ausreichend auf die Behandlung anspricht. Eingeschlossen werden laut Beschreibung vor allem Menschen mit follikulärem Lymphom (FL) oder diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL). Bei DLBCL gelten zusätzliche Anforderungen: Die Erkrankung muss nach Stammzelltransplantation oder CAR-T-Zelltherapie fortgeschritten sein oder diese Verfahren kommen für die betroffene Person nicht infrage.

MK-1045 wird je nach Studienarm intravenös oder subkutan verabreicht. Die Wirksamkeit soll unter anderem über die objektive Ansprechrate nach den Lugano-Kriterien bewertet werden. Begleitend sind regelmäßige Blutuntersuchungen, Bildgebung und Sicherheitskontrollen vorgesehen. Dokumentiert werden außerdem pharmakokinetische Werte sowie die Dauer des Ansprechens.

Studienzentren auch in Deutschland

Auf klinischestudien.de werden verifizierte Studienzentren unter anderem in München, Mailand und Madrid genannt. Für Deutschland sind mehrere Studienzentren aufgeführt. Wie bei frühen Studien mit neuen Wirkstoffen gilt: Die genauen Ein- und Ausschlusskriterien sowie der individuelle Nutzen und mögliche Risiken sollten vor einer Kontaktaufnahme mit dem behandelnden Team oder direkt mit einem Studienzentrum besprochen werden.

Quellen:
klinischestudien.de: Studie zur Sicherheit und Wirksamkeit von MK-1045 allein oder in Kombination mit Tocilizumab bei erwachsenen Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom

AbbVie und Genmab melden positive Phase-3-Daten zu Epcoritamab bei DLBCL

AbbVie und Genmab haben positive Topline-Ergebnisse der Phase-3-Studie EPCORE DLBCL-2 veröffentlicht. Untersucht wurde Epcoritamab zusätzlich zur Standard-Chemoimmuntherapie R-CHOP bei neu diagnostiziertem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL). Laut den Unternehmen ist dies die erste Phase-3-Studie, in der eine Kombination mit einem bispezifischen Antikörper in der Erstlinientherapie einen statistisch signifikanten Vorteil beim progressionsfreien Überleben gezeigt hat.

Wichtigste Ergebnisse der Studie

Nach Angaben der Meldung verringerte die Kombination aus Epcoritamab und R-CHOP das Risiko für Krankheitsfortschritt oder Tod um 51 Prozent im Vergleich zu R-CHOP allein. Angegeben wurden eine Hazard Ratio von 0,49 sowie ein p-Wert von unter 0,0001. Dieser Effekt wurde sowohl in der Gesamtgruppe mit einem internationalen Prognoseindex von 2 bis 5 als auch in der primären Endpunktpopulation mit Werten von 3 bis 5 beobachtet.

Die Sicherheit der Kombination wurde von den Unternehmen als insgesamt gut verträglich beschrieben und als vereinbar mit den bekannten Sicherheitsprofilen der einzelnen Bestandteile. Es handelte sich um eine geplante Zwischenanalyse. Wegen des deutlichen Vorteils empfahl das unabhängige Datenüberwachungskomitee, die Studie zu entblinden.

Was das für Betroffene bedeutet

Das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom ist die häufigste Form des Non-Hodgkin-Lymphoms. Fortschritte in der Erstlinientherapie sind deshalb medizinisch besonders relevant. Wichtig ist jedoch: Die Kombination von Epcoritamab mit R-CHOP ist in dieser Erstlinien-Situation derzeit noch nicht zugelassen. Die bisher veröffentlichten Angaben beruhen auf Topline-Daten. Detaillierte Ergebnisse, etwa zu Nebenwirkungen, zur Dauer des Ansprechens oder zum Gesamtüberleben, sollen erst auf einer späteren Fachkonferenz vorgestellt werden.

Epcoritamab ist unter dem Handelsnamen Epkinly bereits in mehreren Ländern für bestimmte vorbehandelte oder rückfällige Lymphome zugelassen. Ob sich die positiven Studiendaten in eine neue Standardtherapie für neu diagnostizierte DLBCL-Patientinnen und -Patienten übersetzen lassen, müssen nun die vollständigen Daten und die Bewertung durch die Zulassungsbehörden zeigen.

Quellen:
https://www.ad-hoc-news.de/boerse/news/unternehmensnachrichten/abbvie-aktie-lymphom-studie-ueberzeugt/70236532

Mantelzell-Lymphom: Rituximab-Erhaltung nach Ibrutinib könnte Remission verlängern

Jüngere Menschen mit zuvor unbehandeltem Mantelzell-Lymphom könnten nach einer ibrutinibhaltigen Erstlinientherapie von einer Rituximab-Erhaltung profitieren. Darauf weist eine Sekundäranalyse der TRIANGLE-Studie hin, über die die Medical Tribune berichtet. Demnach war die Erhaltungstherapie mit einem längeren progressionsfreien Überleben verbunden.

Neue Auswertung der TRIANGLE-Studie

Analysiert wurden Patientinnen und Patienten, die in der TRIANGLE-Studie eine ibrutinibhaltige Therapie ohne autologe Stammzelltransplantation oder eine Kombination aus Ibrutinib und autologer Stammzelltransplantation erhalten hatten und auf die Behandlung angesprochen hatten. Die Rituximab-Erhaltung wurde entsprechend nationaler Leitlinien und der Praxis der jeweiligen Zentren durchgeführt, meist über zwei bis drei Jahre mit einer Gabe alle zwei Monate.

Nach Angaben der berichteten Auswertung erhielten 61 % der Responderinnen und Responder im Ibrutinib-Arm ohne Stammzelltransplantation sowie 64 % im Arm mit Stammzelltransplantation eine Rituximab-Erhaltung. Dabei zeigten sich Vorteile beim progressionsfreien Überleben: Die Vier-Jahres-Raten lagen bei 85 % gegenüber 73 % im Ibrutinib-Arm ohne Transplantation und bei 90 % gegenüber 75 % im Arm mit Transplantation. Beim Gesamtüberleben zeigte sich ebenfalls ein Vorteil, dieser erreichte jedoch keine statistische Signifikanz.

Nutzen mit zusätzlichen Risiken

Dem möglichen Nutzen standen mehr Nebenwirkungen gegenüber. Insbesondere höhergradige Infektionen traten unter der zusätzlichen Rituximab-Erhaltung häufiger auf. Laut Bericht waren im Ibrutinib-Arm 34 % unter Erhaltung gegenüber 11 % ohne Erhaltung von Infektionen der Grade 3 bis 5 betroffen; im Arm mit Stammzelltransplantation lagen die Werte bei 41 % gegenüber 18 %. Todesfälle infolge von Toxizitäten wurden ebenfalls beschrieben, vor allem im Zusammenhang mit Infektionen, darunter COVID-19, sowie mit Sekundärmalignomen.

Quellen:
Medical Tribune: MCL: Rituximab-Erhaltung nach Ibrutinib einsetzen
Ladetto M et al. J Clin Oncol 2026;44(27):2582-2589

Liso-cel bei DLBCL: Fünf-Jahres-Daten machen Hoffnung auf Heilung

Neue Langzeitdaten zur CAR-T-Zell-Therapie Lisocabtagen-Maraleucel (Liso-cel) sorgen in der Hämatoonkologie für Aufmerksamkeit. Wie die Medical Tribune berichtet, deuten Fünf-Jahres-Daten aus der TRANSCEND-NHL-001-Studie darauf hin, dass ein Teil der stark vorbehandelten Patientinnen und Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem großzelligem B-Zell-Lymphom (LBCL) langfristig profitieren könnte. Für manche Betroffene wird sogar die Möglichkeit einer Heilung diskutiert.

In der Studie wurden Menschen mit rezidiviertem oder refraktärem LBCL untersucht, die bereits mindestens zwei vorherige Therapielinien erhalten hatten. Laut dem Bericht überlebten 38 Prozent der behandelten Patientinnen und Patienten nach Gabe von Liso-cel noch nach fünf Jahren. Das mediane krankheitsspezifische Überleben lag bei 67,8 Monaten, und 52 Prozent waren nach fünf Jahren nicht an ihrem Lymphom verstorben. Zusätzlich konnte bei einem Teil der Teilnehmenden das CAR-T-Zell-Produkt auch nach längerer Zeit noch nachgewiesen werden.

Diese Zahlen sind deshalb bemerkenswert, weil es sich um eine sehr stark vorbehandelte Patientengruppe handelt. In solchen Situationen sind dauerhafte Krankheitskontrolle oder gar langanhaltende Remissionen besonders bedeutsam.

CAR-T-Zell-Therapien gehören zu den innovativsten Entwicklungen der modernen Krebsmedizin. Vereinfacht gesagt werden dabei körpereigene Immunzellen gentechnisch so verändert, dass sie Krebszellen gezielt erkennen und angreifen können. Liso-cel richtet sich gegen CD19-positive B-Zell-Lymphome und ist damit besonders für bestimmte aggressive Lymphomerkrankungen relevant.

Dass mit einer einmaligen, hochspezialisierten Therapie über Jahre anhaltende Remissionen möglich sein könnten, ist für viele Betroffene und Behandelnde ein wichtiger Fortschritt. Gerade bei Rückfällen nach mehreren Therapien waren die langfristigen Perspektiven bisher oft begrenzt.

So ermutigend die Langzeitdaten auch sind: Sie bedeuten nicht, dass Liso-cel für alle Betroffenen geeignet ist oder automatisch eine Heilung garantiert. CAR-T-Zell-Therapien sind komplex, mit möglichen schweren Nebenwirkungen verbunden und erfordern spezialisierte Zentren. Außerdem muss immer individuell geprüft werden, ob eine solche Behandlung medizinisch sinnvoll und durchführbar ist.

Dennoch zeigen die Ergebnisse, dass moderne Zelltherapien selbst bei weit fortgeschrittener Erkrankung langfristige Perspektiven eröffnen können, die vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar waren.

Quellen:
https://www.medical-tribune.de/medizin/haematologie/liso-cel-chance-auf-heilung-bei-lbcl
https://ashpublications.org/blood/article/148/11/1388/568859/Five-year-survival-outcomes-of-lisocabtagene
https://www.medscape.com/viewarticle/does-liso-cel-offer-long-term-survival-benefits-r-r-lbcl-2026a1000lsk

Kanada lässt Epkinly-Kombination bei follikulärem Lymphom zu

Für Menschen mit rezidiviertem oder refraktärem follikulärem Lymphom gibt es aus Kanada eine wichtige regulatorische Nachricht: Health Canada hat Epkinly (Epcoritamab) in Kombination mit Lenalidomid und Rituximab zugelassen. Die neue Indikation gilt für erwachsene Patientinnen und Patienten mit follikulärem Lymphom Grad 1, 2 oder 3a, die bereits mindestens eine systemische Vorbehandlung erhalten haben. Damit wird ein weiterer Einsatzbereich für den bispezifischen Antikörper eröffnet, der das Immunsystem gezielt gegen bösartige B-Zellen aktivieren soll.

Grundlage der kanadischen Entscheidung ist die Phase-3-Studie EPCORE FL-1 mit 488 erwachsenen Patientinnen und Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem follikulärem Lymphom. Laut den veröffentlichten Berichten senkte die Kombination aus Epcoritamab, Lenalidomid und Rituximab das Risiko für Krankheitsprogression oder Tod im Vergleich zu Lenalidomid und Rituximab allein um 79 Prozent. Das entspricht einer Hazard Ratio von 0,21 und ist ein sehr deutlicher Effekt.

Auch bei den Ansprechraten zeigte sich ein klarer Vorteil für die Dreifachkombination. In einer Subgruppenanalyse wurden eine Gesamtansprechrate von 95 Prozent sowie komplette Remissionen bei 83 Prozent der behandelten Personen berichtet. Solche Werte unterstreichen, warum die Kombination inzwischen in mehreren Ländern regulatorisch vorankommt.

Das follikuläre Lymphom gilt zwar meist als langsam wachsend, ist aber in vielen Fällen durch wiederkehrende Rückfälle geprägt. Viele Betroffene benötigen im Verlauf mehrere Therapielinien. Gerade deshalb sind neue wirksame Kombinationen wichtig, die nach einem Rückfall zusätzliche Optionen eröffnen. Die Zulassung in Kanada ist zwar keine direkte europäische Entscheidung, sie zeigt aber, dass Epkinly international weiter an Bedeutung gewinnt.

Für Patientinnen und Patienten auf Informationsseiten rund um Lymphomerkrankungen ist das vor allem deshalb interessant, weil sich hier ein Trend bestätigt: Moderne Antikörpertherapien werden zunehmend früher im Behandlungsverlauf geprüft und nicht erst in sehr späten Therapielinien eingesetzt.

Einordnung: Wirksamkeit und Nebenwirkungen gemeinsam betrachten

So vielversprechend die Wirksamkeitsdaten sind, so wichtig bleibt der Blick auf mögliche Nebenwirkungen. In den Berichten zu EPCORE FL-1 wurden unter der Epcoritamab-Kombination häufiger schwere therapiebedingte Nebenwirkungen beschrieben als unter Lenalidomid und Rituximab allein. Das ist bei hochwirksamen Immuntherapien nicht ungewöhnlich und zeigt, dass eine Behandlung sorgfältig überwacht und individuell eingeordnet werden muss.

Für Betroffene bedeutet das: Neue Zulassungen sind ein wichtiger Fortschritt, ersetzen aber nicht das Gespräch mit spezialisierten Hämatologinnen und Hämatologen über Nutzen, Risiken und die persönlich passende Therapiestrategie.

Quellen:

https://de.marketscreener.com/boerse-nachrichten/abbvie-erhaelt-zulassung-von-health-canada-fuer-epkinly-in-kombination-mit-lenalidomid-und-rituximab-ce785adede8cf221
https://www.newswire.ca/news-releases/epkinly-r-receives-health-canada-approval-for-adults-with-follicular-lymphoma-820454812.html
https://www.cancernetwork.com/view/epcoritamab-combo-receives-canadian-approval-in-r-r-follicular-lymphoma

AML: Azacitidin plus Venetoclax könnte auch fitten Patienten überlegen sein

Eine aktuelle Meldung des Deutschen Ärzteblatts berichtet über Ergebnisse einer Phase-2-Studie, nach denen die Kombination aus Azacitidin und Venetoclax bei akuter myeloischer Leukämie (AML) auch bei fitten Patientinnen und Patienten der intensiven Chemotherapie überlegen sein könnte. Bisher wird diese Kombination vor allem bei Menschen eingesetzt, die wegen ihres Alters, von Begleiterkrankungen oder eingeschränkter Organfunktion nicht für eine intensive kurativ angelegte Chemotherapie infrage kommen. Die neuen Daten deuten nun darauf hin, dass das Therapieschema auch in einer breiteren Patientengruppe an Bedeutung gewinnen könnte.

Worum es in der Studie geht

Laut Ärzteblatt zeigte die in New England Journal of Medicine veröffentlichte Phase-2-Studie, dass Azacitidin plus Venetoclax mehr Betroffenen den Weg zu einer Stammzelltherapie eröffnen konnte. Zudem wurde ein deutlich längeres ereignisfreies Überleben beobachtet. Auch internationale Berichte zur PARADIGM-Studie heben hervor, dass die Kombination im Vergleich zur Standard-Induktionschemotherapie bessere Remissionen sowie Vorteile bei klinischen Endpunkten erreicht haben soll.

Warum das auch für hämatologische Informationsseiten relevant ist

Auch wenn die Nachricht die AML und nicht das Hodgkin-Lymphom betrifft, ist sie für Patientinnen und Patienten mit hämatologischen Erkrankungen medizinisch interessant. Sie zeigt, wie stark sich die Krebstherapie in Richtung gezielterer und oft besser verträglicher Kombinationen entwickelt. Gerade in der Hämatoonkologie wird immer deutlicher, dass klassische intensive Chemotherapie nicht in jeder Situation automatisch der beste Weg ist. Stattdessen gewinnen personalisierte und biologisch begründete Behandlungsstrategien weiter an Gewicht.

Einordnung mit Vorsicht

Wichtig ist allerdings eine zurückhaltende Einordnung. Die Meldung bezieht sich auf eine Phase-2-Studie. Solche Ergebnisse sind sehr relevant, müssen aber in der Regel durch weitere Studien bestätigt werden, bevor sich ein neuer Standard in der Breite etabliert. Außerdem betrifft die Aussage nicht das Hodgkin-Lymphom selbst, sondern eine andere schwere Blutkrebserkrankung. Für Betroffene bedeutet das: Die Nachricht ist vor allem ein Beispiel für den schnellen Fortschritt in der modernen Hämatoonkologie, nicht aber eine unmittelbar auf Hodgkin-Lymphome übertragbare Therapieänderung.

Die Entwicklung unterstreicht, wie wichtig es ist, neue Studiendaten mit dem behandelnden onkologischen Team einzuordnen. Fortschritte in benachbarten Krankheitsfeldern beeinflussen oft auch zukünftige Forschungsansätze bei Lymphomen. Wer sich über neue Therapieprinzipien informiert, gewinnt damit einen besseren Überblick über die Richtung, in die sich die Krebsmedizin insgesamt bewegt: weg von starren Standards, hin zu individuelleren und oft besser steuerbaren Behandlungskonzepten.

Quellen:

https://www.aerzteblatt.de/news/aml-azacitidin-venetoclax-ist-chemotherapie-auch-bei-fitten-patienten-uberlegen-9f1fa8bb-3fe6-4002-a850-e4567dcccd1e
https://doi.org/10.1056/NEJMoa2602804
https://ascopost.com/issues/february-25-2026-supplement-ash-meeting-highlights-2025/benefit-of-azacitidine-plus-venetoclax-confirmed-in-aml/

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