Aufbau eines europäischen Mantelzelllymphom-Registers

Das Mantelzelllymphom (MCL) ist eine seltene und schwer zu behandelnde Form eines B-Zell-Lymphoms. In der Regel ist der Verlauf aggressiv und die Prognose ungünstig. Um die Forschung zu verbessern und die Prognose für die Patienten zu verbessern, wurde jetzt der Aufbau eines europäischen Mantelzelllymphom-Registers begonnen.

Betrieben wird dies vom europäischen Mantelzelllymphom-Netzwerk (EMCL), das Expertinnen und Experten aus den Bereichen Klinik, Pathologie, Epidemiologie, Statistik und Grundlagenforschung vereinigt.

Im Register will man Patientendaten zu Diagnose, Therapie und Krankheitsverlauf von mindestens 900 europäischen Patienten mit MCL zu sammeln. Im Register werden unter anderem Informationen zur Erstdiagnose, Art und Anzahl der Therapien, Dauer der Therapien, Therapieansprechen, Rezidiven und dem weiteren Krankheitsverlauf erfasst.

Im zweiten Schritt soll eine Biobank mit biologischem Material der Patienten aufgebaut werden, die der Forschung zur Verfügung stehen wird.

Federführend im EMCL ist das Uniklinikum Mainz und die Onkologie um Prof. Dr. med. Georg Heß.

Weitere Informationen: www.emcl-register.net

UKE Hamburg startet neue CAR-T-Therapie-Studie

Seit Mai 2019 wurden insgesamt 20 CAR-T-Therapien am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) durchgeführt. Nun erweitert das UKE sein CAR-T-Portfolio in dem als einzige teilnehmende Klinik aus Deutschland an der klinischen Studie CRISPR/Cas9-Genschere für Lymphompatienten teilnimmt. Ziel der Studie ist es, die CAR-T Ergebnisse weiter zu verbessern und die Anzahl der dauerhaften Remissionen zu erhöhen. In der internationalen Studie werden in Zusammenarbeit mit Kliniken in Australien und den USA Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Lymphomerkrankung behandelt.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Nicolaus Kröger
Interdisziplinäre Klinik für Stammzelltransplantation
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Telefon: 040 7410-55864
Email: n.kroeger@uke.de

Quelle: https://idw-online.de/de/news730573

Polivy (Polatuzumab-Vedotin) erhält Zulassung für DLBCL in Europa

Die europäische Zulassungsbehörde (EMA) hat Polivy (Polatuzumab-Vedotin) vom Hersteller Roche eine bedingte Zulassung in Kombination mit Bendamustin plus Rituximab (BR) für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit einem rezidiviertem oder refraktärem diffus grosszelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) erteilt.

Der Einsatz von Polivy soll sich an Patienten richten, die nicht für eine Stammzelltransplantation in Frage kommen.

Die Zulassung basiert auf den Ergebnissen der Phase Ib/II-Studie GO29365.

Änderungen der Untersuchungs- und Behandlungsmethoden bei allogenen Stammzelltransplantation

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat in seiner Sitzung am 16. Januar 2020 beschlossen, die Richtlinie zu Untersuchungs- und Behandlungsmethoden bei allogenen Stammzelltransplantation bei aggressiven B-​Zell-Non-Hodgkin-Lymphomen (Richtlinie Methoden Krankenhausbehandlung) zu ändern.

Geändert wurde § 4 Absatz 2 wird nach Nummer 3 die folgende Nummer 4 angefügt:

„Allogene Stammzelltransplantation bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit aggressiven B-Non-Hodgkin-Lymphomen, die noch nicht mit autologer Stammzelltransplantation behandelt wurden. Ausgenommen von diesem Ausschluss bleibt die Versorgung von erwachsenen Patientinnen und Patienten ab der zweiten Therapielinie,

a) die ein sehr hohes Rezidivrisiko aufweisen und nach Salvagetherapie ein Ansprechen mindestens im Sinne einer stabilen Erkrankung erreichen

oder

b) bei denen eine ausreichende Stammzellgewinnung zur autologen Stammzelltransplantation nicht möglich war und die nach Salvagetherapie ein Ansprechen mindestens im Sinne einer stabilen Erkrankung erreichen.“

In Anlage I wird nach Nummer 4.3 die folgende Nummer 4.4 eingefügt:

„4.4 Allogene Stammzelltransplantation bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit aggressiven B-Non-Hodgkin-Lymphomen, die nach autologer Stammzelltransplantation rezidivieren und nach Salvage-Therapie ein Ansprechen mindestens im Sinne einer stabilen Erkrankung erreichen.“

Beschlusstext (PDF 52.48 kB)
Tragende Gründe zum Beschluss
Zusammenfassende Dokumentation
Anlage zur Zusammenfassenden Dokumentation

Mosunetuzumab – the next Big Thing?

Der Antikörper Mosunetuzumab von Genentech/Roche sorgt aktuell mit seinen Studien-Ergebnisse für Aufsehen. Einige Onkologen sehen in ihm sogar eine Alternative zur CAR-T-Zelltherapie bzw. bzw. eine Folgetherapie für die Patienten, die auf die CAR-T-Zelltherapie nicht ansprechen.

Mosunetuzumab ist ein bispezifischer Antikörper, der sowohl auf CD3 (auf der Oberfläche von T-Zellen) als auch auf CD20 (auf der Oberfläche von B-Zellen) wirkt. Er stimuliert die körpereigenen T-Zellen, maligne B-Zellen zu eliminieren.

Mosunetuzumab wird aktuell in der GO29781-Phase-1/1b-Studie an 270 Patienten mit therapierefraktärem oder rezidiviertem Non-Hodgkin-Lymphom mit schlechter Prognose untersucht. Die Patienten hatten zuvor im Mittel 3 vorherige Therapien erhalten. Außerdem sprachen 30 Patienten der Studie (11%) nicht auf die CAR-T-Zelltherapie an oder hatten einen Rückfall nach der CAR-T-Therapie. 77 Patienten (29%) innerhalb der Studie zeigten nach einer Stammzelltransplantation eine Progession.

Innerhalb der Studie erhielten alle Patienten 8 Zyklen Mosunetuzumab. Patienten, bei denen eine vollständige Remission (CR) gelang, beendeten die Therapie, während Patienten, die ein partielles Ansprechen oder einen Stopp der Krankheitsprogredienz zeigten, die Behandlung für 17 Zyklen fortsetzten.

180 Patienten (67%) hatten aggressive Lymphome, vornehmlich das diffus großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL, 117 Patienten), 82 Patienten (31%) ein follikuläres Lymphom (FL).

Ein Ansprechen auf die Therapie zeigte sich bei 37% der Patienten mit aggressiven Lymphomen, davon erreichten 19% eine komplette Revision. Bei Patienten mit indolentem Lymphom wurden beI 63% ein Ansprechen auf die Therapie erreicht, 43% erreichten eine komplette Remission.

In einer mittleren Nachbeobachtungszeit von aktuell 6 Monaten konnten 71% der Patienten mit aggressivem Lymphom und 83% der Patienten mit indolentem Lymphom die Remission halten und sind aktuell ohne Rezidiv.

Bei Patienten die im Vorfeld eine CAR-T-Therapie erhalten haben, zeigte sich, dass Mosunetuzumab nicht nur maligne B-Zellen abtöten kann, sondern auch dazu beitragen kann, die Wirkung der vorherigen CAR-T-Zelltherapie zu verstärken bzw. verabreichte CAR-T-Zellen, die ihre Funktionsfähigkeit verloren haben, „wiederzubeleben“.

Die Nebenwirkungen von Mosunetuzumab sind ein zumeist mildes Zytokin-Freisetzungssyndrom bei 29% der Patienten und neurologisch-toxische Effekte, die bei 4% der Patienten als mittelschwer eingestuft wurden.

Quelle: https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4908529

MorphoSys startet Studie zur Erstlinienbehandlung von DLBCL mit Tafasitamab und Lenalidomid

Die MorphoSys AG gab bekannt, dass der erste Patient in einer klinischen Phase 1b-Studie in neu diagnostiziertem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) mit dem MorphoSys-eigenen humanen anti-CD19-Antikörper Tafasitamab (MOR208) behandelt wurde.

Die Phase 1b-Studie ist eine offene, randomisierte, multizentrische Studie zur Bewertung der Sicherheit und vorläufigen Wirksamkeit von Tafasitamab in Kombination mit R-CHOP (Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison) im Vergleich zu Tafasitamab und Lenalidomid sowie R-CHOP bei erwachsenen Patienten mit neu diagnostiziertem, zuvor unbehandeltem DLBCL.

Die Patienten in jedem Studienarm erhalten je sechs Behandlungszyklen mit einer Nachbeobachtungszeit von bis zu 24 Monaten. Der primäre Endpunkt der Studie umfasst die Häufigkeit und den Schwergrad von behandlungsbedingten Nebenwirkungen (AEs), sekundäre Endpunkte sind die objektive Ansprechrate (ORR) und die vollständige Ansprechrate (CR) am Ende der Behandlung, die Häufigkeit und den Schwergrad der AEs im Nachbeobachtungszeitraum von 18 Monaten, die beste ORR und CR bis zum Ende der Studie (etwa. 24 Monate), das progressionsfreie Überleben (PFS), das ereignisfreie Überleben (ES) und das Gesamtüberleben (OS) nach 12 und 24 Monaten.

Nach dem zeitgleich der Zulassungsantrag für Patienten mit rezidiverten oder refraktären DLBCL zur Behandlung mit Tafasitamab und Lenalidomid gestellt wurde, will MorphoSys nun auch in die Erstlinientherapie einsteigen und dort gegen den aktuellen Standard R-CHOP antreten.

Tafasitamab (MOR208) ist ein humanisierter Fc-modifizierter monoklonaler Antikörper gegen CD19.

Morphosys stellt Zulassungsantrag für Tafasitamab für R/R DLBCL

Das Biotech-Unternehmen Morphosys hat bei der FDA einen Zulassungsantrag für Tafasitamab (MOR208) gestellt. Der Zulassungsantrag umfasst die Therapie von therapieresistentem oder wiederkehrendem diffusen großen B-Zell-Lymphom (R/R DLBCL).

Die FDA hat nun eine 60-tägige Frist, den Antrag auf Vollständigkeit und als für einen Zulassungsantrag ausreichend zu prüfen. Der Zulassungsantrag basiert auf den Daten der L-MIND-Studie mit Tafasitamab in Kombination mit Lenalidomid bei Patienten mit R/R DLBCL sowie den Daten der primären Analyse der retrospektiv betrachteten passenden Kontrollgruppe (Re-MIND).

aktuelle Studien-Daten zu ADCT-402 (Loncastuximab-Tesirin) – DLBCL

ADCT-402 (Loncastuximab-Tesirin)

Die Firma ADC Therapeutics SA hat neue Studien-Daten aus der Phase-II-Zulassungstudie zu ADCT-402 (Loncastuximab-Tesirin) bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) präsentiert.

An der Studie nahmen aktuell 145 Patienten teil. ADCT-402 (Loncastuximab-Tesirin) kommt dabei als Monotherapie zum Einsatz.

Die aktuellen Studien-Daten beinhalten Daten von 52 Patienten, die ein Durchschnittsalter von 63 Jahren haben und durchschnittlich drei vorherige Therapien erhalten hatten. Die Gesamtansprechrate (Overall Response Rate, ORR) betrug 46,2 % (24 der 52 Patienten) und umfasste 19,2 % komplette Remissionen und 26,9 % partielle Remissionen. Bei den Patienten mit kompletter Remission wurde die mittlere Ansprechdauer noch nicht erreicht. Bei den Patienten mit kompletter und partieller Remission beträgt die vorläufige mittlere Ansprechdauer 5,7 Monate. Eine Stabilisierung der Erkrankung wurde bei 19,2 % der Patienten erreicht.

Die häufigsten behandlungsbedingten Nebenwirkungen waren: erhöhte Gamma-Glutamyltransferase (25 %), Hypokaliämie (5,8 %), niedrigere Thrombozytenzahl (21,2 %), niedrigere Neutrophilenzahl (32,7 %) und Anämie (11,5 %).

Die Patienten erhielten alle drei Wochen eine 30-minütige intravenöse Infusion von ADCT-402 (Loncastuximab-Tesirin) in einer Dosis von 150 µg/kg für die ersten beiden Zyklen, gefolgt von 75 µg/kg für die nachfolgenden Zyklen bis zu einem Jahr oder bis zum Fortschreiten der Erkrankung, inakzeptabler Toxizität oder anderen Absetzkriterien, je nachdem, was zuerst auftrat.

Man rechnet mit der Markteinführung im 2. Halbjahr 2020.

Berichte von der ASH 2019

Am 10. Dezember 2019 endete in Orlando das 61. Meeting der American Society of Hematology (ASH). Dies der weltweit größte hämatologische Kongress der Welt an dem mehr als 30.000 Ärzte und Wissenschaftler aus der ganzen Welt teilnahmen.

Auf der Seite http://www.lymphome.de/ash2019 finden Sie Videos sowie Vortragsfolien von deutschen Onkologen.

Beiträge zu folgenden Themen erwarten Sie:

  • Grußwort | Prof. Dr. Michael Hallek
  • Multiples Myelom | Prof. Dr. Katja Weisel
  • Hodgkin Lymphom | Prof. Dr. Andreas Engert
  • Chronische lymphatische Leukämie | Prof. Dr. Barbara Eichhorst
  • Indolente Lymphome | Prof. Dr. Christian Buske
  • Aggressive Lymphome | Prof. Dr. Georg Lenz
  • CAR-T-Zell-Therapien | Prof. Dr. Peter Borchmann

Aktuelle Erkrankungsraten beim Hodgkin-Lymphom

Nach Angaben der American Cancer Society werden 2019 in den USA etwa 8.110 Fälle von Hodgkin-Lymphom diagnostiziert und 1.000 sterben an der Krankheit.

Etwa die Hälfte aller neu diagnostizierten Patienten mit Hodgkin-Lymphom hat eine Erkrankung im Stadium III oder IV.

Nach Angaben der Lymphoma Coalition werden jedes Jahr weltweit über 62.000 Menschen mit Hodgkin-Lymphom diagnostiziert und etwa 25.000 Menschen sterben jedes Jahr an dieser Krebsart.

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