neue CAR-T-Zelltherapie für follikuläre Lymphome, Mantelzell-Lymphome und CLL

Forscher am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) haben eine neue Variante der CAR-T-Zell-Therapie für follikuläre Lymphome, Mantelzell-Lymphome und CLL entwickelt. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachblatt „Nature Communications“ publiziert.

Das neue Prinzip basiert nicht mehr auf dem Protein CD19, was häufig bei Lymphomen auftritt sondern auf dem Oberflächeneiweiß CXCR5 der B-Zellen. Bei dem Protein handelt es sich um einen Rezeptor, mit dessen Hilfe reife B-Zellen vom Knochenmark – wo sie gebildet werden – in die Organe des Immunsystems, etwa in die Lymphknoten und die Milz, gelangen. Alle reifen B-Zellen, auch die entarteten, tragen diesen Rezeptor auf ihrer Oberfläche, demzufolge eignet sich dieser besonders gezielt gegen die entarteten Zellen anzugreifen.

An zwei Mausmodellen haben die Forscher das neue Verfahren bereits getestet. Aktuell soll eine erste klinische Phase-1/2-Studie vorbereitet werden.

Quelle: https://doi.org/10.1038/s41467-020-20488-3

Novartis übernimmt Vermarktungsrechte für Tislelizumab

Das Schweizer Pharma-Unternehmen Novartis übernimmt Vermarktungsrechte vom Checkpointinhibitor Tislelizumab von BeiGene. Tislelizumab ist Anti-PD-L1-Antikörper gegen rund ein Dutzend verschiedene Krebs-Indikationen, darunter auch das Hodgkin-Lymphom.

Tislelizumab ist in China bereits zugelassen. Novartis will den ersten Zulassungsantrag außerhalb Chinas in diesem Jahr stellen.

Polatuzumab vedotin mit guter Prognose bei DLBCL

Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Polatuzumab vedotin (Polivy®) kann das Gesamtüberleben und progressionsfreie Überleben von Patienten mit vorbehandeltem diffus-großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) verlängern.

Diese Daten liefert die Zulassungsstudie GO29365, deren Ergebnisse auf der 62. ASH Konferenz veröffentlich wurden. Innerhalb der Studie bekamen die Patienten Polatuzumab vedotin in Kombination mit Bendamustin und Rituximab. Diese Therapie soll als zweite Therapie-Behandlungslinie für Patienten zur Verfügung stehen, die nicht für eine Stammzelltransplantation geeignet sind. Die Vergleichsgruppe in der Studie bekam nur Bendamustin und Ritixumab.

Das durchschnittliche Gesamtüberleben war mit 12,4 Monaten (95%-KI: 9,0-32,0) in etwa dreimal so lang wie mit 4,7 Monaten (95%-KI: 3,7-8,3) in der Vergleichsgruppe mit Bendamustin und Rituximab.

Die weitere Analyse zeigte, dass wenig vorbehandelte Patienten besonders ausgeprägt von der Polatuzumab vedotin-basierten Therapie profitierten (medianes OS in der Zweitlinientherapie 18,4 vs. 9,5 Monate in Drittlinie, Rate für komplettes Ansprechen (CR) 74% vs. 42,2%)).

Quellen:
Sehn LH, et al. ASH, virtueller Kongress, 05.-08.12.2020; Poster Presentation #3020
Sehn LH, et al. J Clin Oncol 2019; 37; November 6, 2019, DOI https://doi.org/10.1200/JCO.19.00172 (aufgerufen 10.12.2020)
Herrera HF, et al. virtueller Kongress, 05.-08.12.2020; Abstract #532

Brentuximab Vedotin + AVD verbessert die Prognose beim fortgeschrittenem Hodgkin-Lymphom

Die Kombination aus Brentuximab Vedotin und AVD sorgt für Patienten im fortgeschrittenem Stadium des klassischen Hodgkin-Lymphoms für eine gute Prognose bereits in der Erstlinientherapie, dabei ist sie deutlich weniger toxisch wie BEACOPP.

Dies basiert auf den Ergebnissen der internationalen ECHELON-1 Studie. Innerhalb der Studie erhielten 670 Patienten eine Chemotherapie aus Doxorubicin, Bleomycin, Vinblastin und Dacarbazin (ABVD). Bei 664 Patienten wurde Bleomycin durch Brentuximab Vedotin (A + AVD) ersetzt. Nach einer Nachbetrachtungszeit von 2 Jahren zeigten 82 % der Patienten mit A plus AVD und 77 % der Patienten mit ABVD keinen Krankheitsfortschritt. Eine vollständige Remission erreichten mit A plus AVD als Erstlinientherapie 73 % der Patienten und mit ABVD 71 % der Patienten.

Nebenwirkungen der Therapie mit Brentuximab Vedotin (A plus AVD) waren häufiger Neutropenie im Vergleich zu ABVD. Dagegen kam es zu einer geringen Toxität für die Lunge durch das Weglassen von Bleomycin, im Gegensatz zu ABVD.

neue Leitlinien zur Behandlung des klassischen Hodgkin

Die S3-Leitlinie Hodgkin-Lymphom wurde auf Version 3.0 mit Stand Ende Oktober 2020 aktualisiert. Zu finden sind diese hier:

S3 Leitlinie Hodgkin Lymphom Langversion

S3 Leitlinie Hodgkin Lymphom Kurzversion

S3 Leitlinie Hodgkin Lymphom Leitlinienreport

Brexucabtagen Autoleucel (Tecartus) vor Marktzulassung für MCL

Das CHMP (Committee for Medicinal Products for Human Use) hat sich für eine bedingte Marktzulassung von Brexucabtagen Autoleucel (Tecartus) für erwachsener Patienten mit Mantelzell-Lymphom (MCL), wenn die Erkrankung therapierefraktär ist oder ein Rezidiv auftritt (r/r MCL), ausgesprochen. Ein rezidivertes Mantelzell-Lymphom hat nach wie vor eine schlechte Prognose, was nun Tecartus ändern will.

Bei Brexucabtagen Autoleucel (Tecartus) handelt es sich um genetisch modifizierte autologe Anti-CD19-CD3+-Zellen.

Die multizentrische Phase-II-Zulassungsstudie inkludierte 74 Patienten. Beim 12-Monate-Follow-up betrug die objektive Ansprechrate 85 %, 59 % der Patienten erreichten ein komplettes Ansprechen. Das geschätzte progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben lagen nach 12 Monaten bei 61 %.

Zu den häufigsten höhergradigen Nebenwirkungen zählten Zytopenien, Infektionen, Cytokin Release Syndrom und neurologische Events.

Referenz:
Wang M et al., New Engl J Med 2020; 382(14):1331-1342

Ergebnisse der Chronos-3-Studie bei rezidivierten indolenten Non-Hodgkin-Lymphomen

Das Ergebnis der CHRONOS-3-Studie zeigt das die Kombination Copanlisib (Aliqopa) von BAYER und Rituximab (MabThera) vom Hersteller ROCHE signifikant das progressionsfreie Überleben von Patienten mit rezidiviertem indolenten Non-Hodgkin-Lymphom verbessern kann.

Innerhalb der Phase-III-Studie wurden 458 Patienten mit follikulärem Lymphom, Marginalzonen-Lymphom, kleinem lymphatischen Lymphom und Lymphoplasmazyten-Lymphom/Waldenström-Makroglobulinämie untersucht.

Copanlisib ist ein intravenös zu verabreichender PI3K-Inhibitor. Copanlisib wurde an den Tagen 1, 8 und 15 jedes 28-tägigen Zyklus zusätzlich zu Rituximab verabreicht, das wöchentlich während des Zyklus 1 an den Tagen 1, 8, 15 und 22 und dann am Tag 1 der Zyklen 3, 5, 7 und 9 verabreicht wurde.

Die genauen Ergebnisse von CHRONOS-3 werden demnächst auf einem wissenschaftlichen Kongress präsentiert.

ACD stellt Zulassungsantrag für Loncastuximab Tesirin (Lonca)

Das Schweizer Biotech-Unternehmen ADC Therapeutics stellt einen Zulassungsantrag bei der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA für Loncastuximab Tesirin (Lonca) für die Therapie von Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem diffus grosszelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL).

Der Zulassungsantrag basiere auf Daten der Studie LOTIS 2. Bis zum Stichtag, 06. April 2020, nahmen 145 DLBCL-Patienten an der Studie teil, die sich median 3 früheren Therapielinien unterzogen hatten. Lonca erzielte eine Gesamtansprechrate von 48,3 Prozent (70/145 Patienten) und eine komplette Ansprechrate von 24,1 Prozent (35/145 Patienten). Die häufigsten therapiebezogenen unerwünschten Reaktionen 3. oder höheren Grades, die bei mindestens 10 Prozent der Patienten auftraten, waren: Neutropenie (25,5 %) mit einer niedrigen Inzidenz fiebriger Neutropenie (3,4 %), Thrombozytopenie (17,9 %), erhöhte GGT-Werte (16,6 %) und Anämie (10,3 %).

Aktuell prüft ACD in der Studie LOTIS 5 die Wirksamkeit von Lonca in Kombination mit Rituximab. Diese Studie soll einen ergänzenden BLA-Antrag für Lonca als Zweitlinientherapie zur Behandlung von rezidiviertem oder refraktärem DLBCL unterstützen.

Loncastuximab-Tesirin (Lonca, vormals ADCT-402) ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (AWK), das aus einem humanisierten monoklonalen Antikörper gegen humanes CD19 besteht und über einen Linker mit einem Pyrrolobenzodiazepin-Dimer-Zytotoxin konjugiert wird.

ELARA-Studie – CAR-T beim follikulären Lymphom (FL)

In der Phase-II-Studie ELARA wird gerade die Wirkung der CAR-T-Therapie mit Tisagenlecleucel (Kymriah) beim rezidiviertem oder refraktärem (r/r) follikulärem Lymphom (FL) untersucht.

Bei der Zwischenanalyse erreichte die globale Studie ihren primären Endpunkt der Gesamtansprechrate (CRR).Es wurden keine neuen Sicherheitssignale zu Kymriah beobachtet.

Die Ergebnisse der ELARA-Studie will Novartis in Kürze präsentieren und in die Zulassungsanträge für die USA und die EU stellen.

An dieser internationalen Studie haben Patienten aus über 30 Zentren in 12 Ländern weltweit teilgenommen.

Ruxience – neuer Biosimilar von Rituximab

Mit Ruxience von Pfizer steht jetzt mittlerweile bereits der 3. Biosimilar von Ritixumab (Mabthera) am Markt zur Verfügung. Der Antikörper zur Herstellung einer Infusionslösung ist in 100 mg und 500 mg verfügbar. Biosimilar sind Nachbauten des Originalproduktes, die meist günstiger am Markt angeboten werden.

Die anderen Biosimilar sind Rixathon (Sandoz) und Truxima (Mundipharma). Roche selbst brachte 2014 noch eine Variante zur subkutanen Infusion auf dem Markt.

Das Ritixumab (Mabthera) von Roche wurde vor mehr als 20 Jahren auf den Markt gebracht. Der Patentschutz lief 2013 ab.

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