Genmab erlebt aktuell ein Rückschlag infolge der Studiendaten zum bispezifischen Antikörper Epkinly® (Epcoritamab), nachdem laut einem am 01.09.2026 veröffentlichten Bericht der Spätphasenversuch in diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom nicht den erhofften Erfolg brachte.
In den konkreten Studiendetails betrifft der Rückschlag die globale Phase-3-Bestätigungsstudie EPCORE DLBCL-1. Genmab und der Partner AbbVie haben in dieser Studie die Wirkung der Epcoritamab-Monotherapie (Epkinly) direkt mit einer Standard-Chemo-Immuntherapie (wie R-GemOx oder BR) bei Patientinnen und Patienten mit rückfälligem oder therapieresistentem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) verglichen.
Das verfehlte Hauptziel betifft das Gesamtüberleben (Overall Survival / OS). Für die US-Zulassung war das Gesamtüberleben (Overall Survival) das einzige primäre Studienziel. Hier konnte Epcoritamab keinen statistisch signifikanten Vorteil gegenüber der herkömmlichen Chemo-Immuntherapie zeigen (Hazard Ratio HR 0,96). Das Überleben der Patienten in der Epcoritamab-Gruppe unterschied sich im Beobachtungszeitraum kaum von der Vergleichsgruppe.
Trotz des verfehlten Hauptziels zeigte die Studie auch positive Ergebnisse:
Progressionsfreies Überleben (PFS): Epcoritamab reduzierte das Risiko für das Fortschreiten der Erkrankung oder den Tod im Vergleich zur Chemotherapie um 26 %.
Ansprechrate (Complete Response): 38 % der Patienten unter Epcoritamab erreichten eine vollständige Remission (Komplettansprechen) im Vergleich zu 26 % in der Chemotherapie-Gruppe.
Die Immunonkologie durchläuft eine rasante Entwicklung: CAR-T-Zell-Therapien haben die Behandlung von Blut- und Lymphdrüsenkrebs nachhaltig verändert. Ursprünglich vor allem bei schwer zu behandelnden Leukämien und B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphomen eingesetzt, wird das Einsatzfeld dieser „lebenden Medikamente“ durch intensive Forschung stetig erweitert – mit großem Potenzial für Betroffene von aggressiven oder rückfälligen (rezidivierten) Lymphomerkrankungen.Wie die CAR-T-Zell-Therapie funktioniert
Bei der CAR-T-Zell-Therapie handelt es sich um eine hochgradig personalisierte Form der Immuntherapie. Das Verfahren läuft in mehreren komplexen Schritten ab:
Entnahme: Dem Patienten werden körpereigene T-Zellen (Abwehrzellen des Immunsystems) mittels Leukapherese entnommen.
Gentechnische Umprogrammierung: Im Labor werden die T-Zellen mit einem synthetischen chimären Antigen-Rezeptor (CAR) ausgestattet. Dieser befähigt die Zellen, spezifische Proteine auf den Oberflächen der Krebszellen gezielt zu erkennen.
Vermehrung & Reinfusion: Die modifizierten CAR-T-Zellen werden im Labor millionenfach vermehrt und dem Patienten nach einer vorbereitenden Chemo-Therapie per Infusion zurückgegeben.
Bedeutung für die Behandlung von Lymphomen
Während die Erstlinienbehandlung beim Hodgkin Lymphom (etwa mit Kombinationstherapien wie ABVD oder eBEACOPP) hohe Heilungsraten erzielt, stellen rezidivierende oder therapierefraktere Verläufe Ärztinnen und Ärzte weiterhin vor Herausforderungen.
Bei bestimmten Non-Hodgkin-Lymphomen (wie dem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom oder dem primär mediastinalen B-Zell-Lymphom) gehören CAR-T-Zell-Therapien bereits zum etablierten Standard ab der Zweit- oder Drittlinie. Auch für das klassische Hodgkin Lymphom laufen klinische Studien, um CAR-T-Zellen (beispielsweise gerichtet gegen das Protein CD30) noch effektiver nutzbar zu machen.
Was kostet eine CAR-T-Zell-Therapie?
So aussichtsreich die Behandlungsergebnisse bei schwer behandelbaren Verläufen sind, so komplex und kostspielig ist das Herstellungsverfahren. Die Gesamtkosten setzen sich aus zwei Hauptkomponenten zusammen:
Reine Produktkosten (Zellherstellung): Der Preis für die gentechnische Aufbereitung der Zellen im Speziallabor liegt in Deutschland je nach Präparat derzeit zwischen 275.000 € und 350.000 € pro Patient (als einmaliges Arzneimittelpräparat).
Klinische Gesamtbehandlung: Zählt man den stationären Aufenthalt auf der Spezialstation, die vorbereitende Chemotherapie sowie das Management eventueller Nebenwirkungen (wie dem Zytokin-Freisetzungssyndrom / CRS) hinzu, belaufen sich die Gesamtkosten einer Behandlung auf 350.000 € bis 450.000 €.
Gründe für die hohen Kosten:
Personalisierte Einzelfertigung: Es handelt sich um kein standardisiertes Großserien-Medikament. Für jeden Patienten wird ein individuelles Gentherapeutikum hergestellt.
Aufwendige Logistik & Reinraum-Standards: Die Entnahme der Zellen, der gekühlte Transport ins Zentrallabor und die gentechnische Rekonstruktion unterliegen strengsten Arzneimittelstandards.
Intensivmedizinische Betreuung: Da nach der Reinfusion schwere Nebenwirkungen wie das Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS) oder neurologische Toxizitäten (ICANS) auftreten können, ist ein mehrwöchiger Aufenthalt an spezialisierten Zentren mit Intensivkapazität erforderlich.
In Deutschland wird die CAR-T-Zell-Therapie für die bereits zugelassenen Indikationen (z. B. bei bestimmten B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphomen und Leukämien) nach Prüfung und Genehmigung im Einzelfall von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Die Durchführung erfolgt ausschließlich an zertifizierten Behandlungszentren (meist Universitätsklinika). Die Abrechnung erfolgt über ein komplexes Zusammenspiel aus DRG, Zusatzentgelten/NUB (neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden) und Einzelfallentscheidungen mit teils erheblichen bürokratischen Hürden.
Das Krankenhaus erstellt einen medizinischen Bericht für den Kostenträger und beantragt bei der zuständigen Krankenkasse vor Beginn der Apherese eine schriftliche Kostenübernahme der kompletten Behandlung inkl. Zellprodukt, stationärem Aufenthalt und begleitender Leistungen. Die Therapie sollte nicht ohne vorliegende schriftliche Kostenzusage beginnen, weil eine nachträgliche Ablehnung für Krankenhaus und Patienten ruinöse Folgen haben kann.
Um die Kosten künftig zu senken und die Therapie breiter verfügbar zu machen, arbeiten Forscher a n dezentralen Herstellungsverfahren direkt an den Kliniken sowie an „allogenen“ CAR-T-Zellen (sogenannte Off-the-shelf-Produkte aus Spenderblut), die nicht mehr für jeden Patienten individuell maßgeschneidert werden müssen.
Derzeit zugelassene CAR-T-Zellpräparate
Die nachfolgende Aufstellung zeigt die derzeit in der EU verfügbaren CAR-T-Zellpräparate und ihre Einsatzgebiete.
Axicabtagen ciloleucel (Yescarta, Kite, Zulassung August 2018): gegen CD19 gerichtet. Zur Behandlung von Erwachsenen mit:
diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) und hochmalignem B-Zell-Lymphom (HGBL), das innerhalb von 12 Monaten nach Abschluss einer Erstlinien-Chemoimmuntherapie rezidiviert oder gegenüber dieser refraktär ist;
rezidiviertem oder refraktärem (r/r) DLBCL und primär mediastinalem großzelligem B-Zell-Lymphom (PMBCL) nach 2 oder mehr systemischen Therapien;
r/r follikulärem Lymphom (FL) nach 3 oder mehr systemischen Therapien.
Brexucabtagen autoleucel (Tecartus, Kite, Zulassung Dezember 2020): gegen CD19 gerichtet. Zur Behandlung von Erwachsenen mit:
Mantelzell-Lymphom (MCL), wenn die Erkrankung therapierefraktär ist oder ein Rezidiv auftritt (r/r MCL). Die Behandlung ist nach mindestens 2 Vortherapien inklusive einer Behandlung mit einem Bruton-Tyrosinkinase (BTK)-Inhibitor indiziert;
rezidivierter/refraktärer B-Zell-Vorläufer akuter lymphoblastischer Leukämie (r/r ALL) ab einem Alter von 26 Jahren.
Ciltacabtagen autoleucel (Carvykti, Janssen, Zulassung Mai 2022): gegen B-Zell-Reifungs-Antigen (BCMA) gerichtet. Zur Behandlung von Erwachsenen mit:
r/r multiplem Myelom, die mindestens eine Vortherapie erhalten haben, darunter einen Immunmodulator und einen Proteasom-Inhibitor, und die während der letzten Therapie eine Krankheitsprogression zeigten und gegenüber Lenalidomid refraktär sind.
Idecabtagen vicleucel (Abecma, BMS, Zulassung August 2021): gegen BCMA gerichtet. Zur Behandlung von Erwachsenen mit:
r/r multiplem Myelom, die mindestens 2 Vortherapien erhalten haben, darunter einen Immunmodulator, einen Proteasom-Inhibitor und einen CD38-Antikörper, und die während der letzten Therapie eine Krankheitsprogression zeigten.
Lisocaptagen maraleucel (Breyanzi, BMS, Zulassung April 2022): gegen CD19 gerichtet. Zur Behandlung von Erwachsenen mit:
diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL), hochmalignem B-Zell-Lymphom (HGBCL), primär mediastinalem großzelligem B-Zell-Lymphom (PMBCL) und follikulärem Lymphom Grad 3B (FL3B), die innerhalb von 12 Monaten nach Abschluss der Erstlinien-Chemoimmuntherapie rezidivierten oder gegenüber dieser Therapie refraktär sind;
r/r DLBCL, PMBCL und FL3B nach 2 oder mehr Linien einer systemischen Therapie;
r/r follikulärem Lymphom (FL) nach 2 oder mehr Linien einer systemischen Therapie;
r/r Mantelzell-Lymphom (MCL) nach mindestens 2 Linien einer systemischen Therapie, einschließlich eines Bruton-Tyrosinkinase (BTK)-Inhibitors.
Obecabtagen Autoleucel (Aucatzyl, Autolus GmbH, Zulassung Juli 2025): gegen CD19 gerichtet. Zur Behandlung von erwachsenen Patienten ab 26 Jahren mit r/r B-lymphoblastischer Leukämie (B ALL). Das Präparat ist derzeit in Deutschland noch nicht in den Handel eingeführt.
Tisagenlecleucel (Kymriah, Novartis, Zulassung August 2018): gegen CD 19 gerichtet. Zur Behandlung von:
Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter bis einschließlich 25 Jahren mit r/r (Rezidiv nach Transplantation oder 2. oder späteres Rezidiv) akuter lymphatischer B-Zell-Leukämie (ALL);
erwachsenen Patienten mit r/r diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) nach 2 oder mehr Linien einer systemischen Therapie;
Erwachsenen mit r/r follikulärem Lymphom (FL) nach 2 oder mehr Linien einer systemischen Therapie.
TEPKINLY (Epcoritamab) hat die EU-Zulassung in Kombination mit Lenalidomid und Rituximab (TEPKINLY + R2) zur Behandlung erwachsener Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem (R/R) follikulärem Lymphom (FL) erhalten.
Die Zulassung basiert auf Ergebnissen der Phase-3-Studie EPCORE FL-1, in der TEPKINLY mit fester Behandlungsdauer in Kombination mit R2 im Vergleich zur Standardtherapie R2 untersucht wurde.
Epcoritamab ist ein IgG1-bispezifischer Antikörper, der mithilfe der proprietären DuoBody-Technologie von Genmab hergestellt wird und subkutan verabreicht wird.
In der Phase-3-Studie EPCORE FL-1 erzielte TEPKINLY + R2 mit fester Behandlungsdauer im Vergleich zu Lenalidomid und Rituximab eine signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens sowie der Gesamtansprechrate; rund drei von vier Patienten erreichten ein komplettes Ansprechen.
Die Studie zeigte, dass TEPKINLY + R2 das Risiko für Krankheitsprogression oder Tod um 79% senkte. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Neutropenie, Hautausschlag, Infektionen der oberen Atemwege, Fatigue, Diarrhoe, Reaktionen an der Injektionsstelle, Anämie, Obstipation, Thrombozytopenie, CRS, Hypogammaglobulinämie, COVID-19, Pyrexie und Pneumonie. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten bei 44% der Patienten auf.
Roche hat in den USA die FDA-Zulassung für die Kombination aus Lunsumio (Mosunetuzumab) und Polivy (Polatuzumab vedotin) für großzelliges B-Zell-Lymphom erhalten.
Epcoritamab zusätzlich zu Lenalidomid / Rituximab (R2) verbessert das Ansprechen und verlängert das progressionsfreie Überleben. Dies geht aus neusten Ergebnissen der Phase-III-Studie EPCORE FL-1 hervor. Somit könnte Epcoritamab in Kombination mit Lenalidomid / Rituximab ein neuer Standard in der Zweitlinientherapie des rezidivierten oder refraktären follikulären Lymphoms (r/r FL) werden.
Innerhalb der Studie wurden 668 Patienten randomisiert 12 Zyklen Epcoritamab plus R2 (n = 243) oder 12 Zyklen R2 (n = 245) alleine erhalten.
Die Ansprechrate (ORR) betrug mit Epcoritamab plus R2 95 %, mit R2 79 %. 83 % der Patienten mit Epcoritamab und 50 % der mit R2-Patienten erreichten ein Komplettansprechen.
Die geschätzte 16-Monats-PFS-Rate betrug mit Epcoritamab plus R2 85,5 %, mit R2 40,2 %.
Die höhere Wirksamkeit der Dreifachkombination ging aber mit mehr Toxizität einher. Unerwünschte Ereignisse vom Grad ≥ 3 traten bei 90 % der mit Epcoritamab plus R2 und bei 68 % der mit R2-Patienten auf. Die häugigsten waren Neutropenie (69 vs. 42 %), Thrombozytopenie (9 vs. 6 %) und Infektionen (33 vs. 15 %).
Quelle: Falchi L et al. Epcoritamab, lenalidomide, and rituximab versus lenalidomide and rituximab for relapsed or refractory follicular lymphoma (EPCORE FL-1): a global, open-label, randomised, phase 3 trial. Lancet. 2026;407:161-173
Araris Biotech und Taiho Oncology haben im Rahmen der Phase-1-Studie ARC-02 den ersten Patienten mit einem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat von Araris behandelt. Es richtet sich gegen B-Zell-Malignome des Non-Hodgkin-Lymphoms und richtet sich gegen das Protein CD79b. Dessen Mutationen spielen bei der Entstehung bestimmter Lymphome eine Rolle und sind daher ein zentrales Ziel für spezifische Krebstherapien.
ARC-02 bindet selektiv an CD70b-positive B-Zellen und transportiert Monomethyl-Auristatin E, einen klinisch validierten Wirkstoff gegen Krebs, direkt zu den Tumorzellen.
Ein rezidiviertes oder refraktäres Mantelzell-Lymphom hat eine schlechte Prognose, wenn bereits vorherige Therapien fehlgeschlagen sind oder man bereits mit Inhibitoren der Bruton-Tyrosinkinase (BTK) behandelt wurde. Hoffnung kann eventuell zukünftig Glofitamab geben.
Der bispezifische CD3xCD20-Antikörper Glofitamab ist bislang zugelassen zur Therapie des rezidivierten oder refraktären diffus-großzelligen B-Zell-Lymphoms (DLBCL).
Beim vorbehandelten Mantelzell-Lymphom hat Glofitamab in einer Phase-1/2-Studie nach Gabe von Obinutuzumab hohe Ansprechraten bei guter Verträglichkeit gezeigt. Die 61 eingeschlossenen Patient:innen in der Studie waren alle vorbehandelt und wiesen alle Hochrisiko-Merkmale wie einen Ki-67-Proliferationsindex von ≥ 30 %, eine blastoide oder pleomorphe Histologie oder TP53-Mutationen auf.
Innerhalb der STudie erhielten 12 Zyklen Glofitamab in einem Abstand von 3 Wochen. Zur Minderung des Risikos für ein Zytokin-Freisetzungssyndrom wurde zu Beginn eine Dosis Obinutuzumab (1.000 oder 2.000 mg) gegeben.
Die Gesamtansprechrate bei 82 % mit 77 % Komplettremissionen. Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 18 Monate, beim Gesamtüberleben ist der Medianwert noch nicht erreicht. Die mediane Dauer der Komplettremissionen lag bei 40,8 Monaten.
Bei den 34 Patient:innen, die zuvor bereits BTK-Inhibitoren erhalten hatten und darunter progredient gewesen waren, waren Ansprech- und Komplettremissionsrate mit 73,5 % bzw. 70,6 % nicht wesentlich niedriger. Die Dauer der kompletten Remissionen betrug fin dieser Gruppe 15,4 Monate, das progressionsfreie Überleben 11,3 Monate und das Gesamtüberleben median 29,9 Monate.
Bei Patient*innen mit einem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) – der am häufigsten diagnostizierten Form des Non-Hodgkin-Lymphoms – führt die bisherige Standard-Erstlinientherapie R-CHOP in rund 40 % der Fälle nicht zu einer dauerhaften Heilung.
Um diese Lücke zu schließen, untersuchte die randomisierte, doppelblinde und Placebo-kontrollierte Phase-III-Studie frontMIND, ob eine Intensivierung des R-CHOP-Regimes durch zwei weitere Wirkstoffe die Prognose verbessert: den humanisierten, Fc-modifizierten zytolytischen CD19-Antikörper Tafasitamab sowie den Immunmodulator Lenalidomid. Beide Substanzen sind bereits fest in der Therapie des rezidivierten oder refraktären DLBCL etabliert
Studiendesign im Überblick
Die beim ASCO- und EHA-Kongress 2026 vorgestellten Daten basieren auf der Auswertung von 899 Patient*innen (im Alter von 18 bis 80 Jahren), die bis Ende Oktober 2025 in der Studie beaobachtet wurden.
Einschlusskriterien: Neu diagnostizierte aggressive B-Zell-Lymphome mit hohem Risiko (High-Intermediate-/High-Risk-DLBCL oder HGBL).
Therapiearme: 6 Zyklen Tafa-Len-R-CHOP versus 6 Zyklen des bisherigen Standards R-CHOP.
Endpunkte: Primärer Endpunkt ist das progressionsfreie Überleben (PFS). Die finale Analyse des Gesamtüberlebens (OS) erfolgt nach einer Laufzeit von 5 Jahren.
Die wichtigsten Ergebnisse nach 35,2 Monaten Follow-up
Die Kombinationstherapie konnte sich in einem Kollektiv durchsetzen, das lange Zeit als schwer therapierbar galt:
Signifikante Risikoreduktion: Das Risiko für Progression oder Tod sank unter Tafa-Len-R-CHOP um 25 %.
Subtyp-unabhängiger Benefit: Der PFS-Vorteil spiegelte sich konsistent sowohl beim ABC- als auch beim GCB-Subtyp des DLBCL wider.
Trend beim Gesamtüberleben: Auch beim OS deutet sich ein positiver Trend für die gesamte Studienpopulation an.
Progressionsfreies Überleben (PFS) im Vergleich
Zeitraum
Tafa-Len-R-CHOP
R-CHOP (Standard)
2-Jahres-PFS-Rate
71,1 %
62,9 %
3-Jahres-PFS-Rate
67,3 %
60,7 %
Die gesteigerte Wirksamkeit geht erwartungsgemäß mit einer höheren Toxizität einher, die jedoch handhabbar zu sein scheint:
Schwere Nebenwirkungen (Grad ≥ 3): Traten im Kombinationsarm häufiger auf (86,7 % vs. 76,1 %).
Therapieabbrüche: Trotz der höheren Rate an schweren Nebenwirkungen kam es unter Tafa-Len-R-CHOP nicht zu vermehrten Therapieabbrüchen (5,2 % vs. 5,4 %).
Mortalität: Tödliche therapieassoziierte Ereignisse lagen im Kombinationsarm bei 5,9 % (vs. 3,8 % unter alleinigem R-CHOP).
Die frontMIND-Studie zeigt, dass die Erweiterung des R-CHOP-Standards um Tafasitamab und Lenalidomid das progressionsfreie Überleben bei Hochrisiko-Patienten mit aggressivem B-Zell-Lymphom entscheidend verlängert. Die Kombination besitzt das Potenzial, sich als neuer Erstlinien-Standard zu etablieren.
Quelle: Lenz G et al. Tafasitamab plus Lenalidomide and R-CHOP for patients with previously untreated diffuse large B-cell lymphoma (DLBCL): results from the phase 3 frontMIND -Study; Abstract: EHA-2190
De amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat den ergänzenden Zulassungsantrag für Lunsumio VELO (Mosunetuzumab) in subkutaner Form in Kombination mit Polivy (Polatuzumab-Vedotin) angenommen. Die Therapie ist für erwachsene Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem großzelligem B-Zell-Lymphom (LBCL), einschließlich des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms (DLBCL), nach mindestens einer vorangegangenen systemischen Therapie vorgesehen.
Der Antrag basiert auf den Daten der Phase-III-Studie SUNMO. Die SUNMO-Studie [NCT05171647] ist eine randomisierte, offene, multizentrische Phase-III-Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Lunsumio VELO (Mosunetuzumab) in Kombination mit intravenös verabreichtem Polivy (Polatuzumab-Vedotin) gegenüber MabThera/Rituxan (Rituximab) plus Gemcitabin und Oxaliplatin bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem großzelligem B-Zell-Lymphom, die mindestens eine systemische Vorbehandlung erhalten haben und für eine autologe Stammzelltransplantation nicht infrage kommen.
Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 23,2 Monaten zeigte die Kombination aus Lunsumio VELO und Polivy eine Reduktion des Risikos für ein Fortschreiten der Erkrankung oder den Tod (progressionsfreies Überleben [PFS]) um 59% im Vergleich zu MabThera/Rituxan (Rituximab), Gemcitabin und Oxaliplatin (R-GemOx).
Das mediane PFS war mit 11,5 Monaten dreimal länger als bei R-GemOx mit 3,8 Monaten.
Die laufende Entwicklung von Lunsumio in Kombination mit anderen Therapien umfasst die Phase-III-Studien CELESTIMO und MorningLyte in der Zweitlinie bzw. Erstlinie des follikulären Lymphom.
Lunsumio ist derzeit als zeitlich begrenzte Monotherapie zur Behandlung erwachsener Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem follikulärem Lymphom (FL) ab der Drittlinie sowohl in intravenöser als auch in subkutaner Formulierung (Lunsumio VELO) zugelassen.
Polivy bindet an CD79b auf den Lymphomzellen und liefert ein zytotoxisches Chemotherapeutikum direkt in die Zelle, wodurch der Zelltod durch Apoptose induziert wird, während die Schädigung von gesundem Gewebe minimiert wird. Polivy ist weltweit in Kombination mit MabThera/Rituxan (Rituximab) plus Cyclophosphamid, Doxorubicin und Prednison für das zuvor unbehandelte (Erstlinie) diffuse großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL) sowie in Kombination mit Bendamustin und MabThera/Rituxan für das rezidivierte oder refraktäre DLBCL zugelassen.
Epcoritamab von Genmab ist ein subkutaner Antikörper der sich gegen CD3 und CD20-Zellen richtet und soll zukünftig Patienten mit aggressiven Lymphomen eine zusätzliche Chance bieten.
In der EU ist Epcoritamab unter dem Namen EPKINLY zur Behandlung Erwachsener mit rezidiviertem oder refraktärem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom zugelassen, die bereits mindestens zwei Therapielinien hinter sich haben. In den USA hat die FDA das Medikament für bestimmte Patienten mit DLBCL und verwandten Lymphom-Subtypen im späteren Therapielinien-Setting genehmigt, häufig nach CAR-T oder anderen Antikörper-Regimen.
In der Zulassungsstudie zeigte sich bei stark vorbehandelten DLBCL-Patienten eine objektive Ansprechrate von deutlich über 50 Prozent. Es ist aber eine späte Option, wenn andere Therapien ausgeschöpft sind, was die Erwartungen dämpft, aber die Bedeutung jedes zusätzlichen Ansprechens erhöht. Die Dauer des Ansprechens schwankt aber in dern Studien aktuell stark.
Nebenwirkungen sind Infektionen, Zytopenien und Müdigkeit, die in der täglichen Praxis engmaschige Kontrollen erfordern und manche Patienten körperlich stärker fordern als die subkutane Gabe vermuten lässt.