AbbVie und Genmab haben positive Topline-Ergebnisse der Phase-3-Studie EPCORE DLBCL-2 veröffentlicht. Untersucht wurde Epcoritamab zusätzlich zur Standard-Chemoimmuntherapie R-CHOP bei neu diagnostiziertem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL). Laut den Unternehmen ist dies die erste Phase-3-Studie, in der eine Kombination mit einem bispezifischen Antikörper in der Erstlinientherapie einen statistisch signifikanten Vorteil beim progressionsfreien Überleben gezeigt hat.
Wichtigste Ergebnisse der Studie
Nach Angaben der Meldung verringerte die Kombination aus Epcoritamab und R-CHOP das Risiko für Krankheitsfortschritt oder Tod um 51 Prozent im Vergleich zu R-CHOP allein. Angegeben wurden eine Hazard Ratio von 0,49 sowie ein p-Wert von unter 0,0001. Dieser Effekt wurde sowohl in der Gesamtgruppe mit einem internationalen Prognoseindex von 2 bis 5 als auch in der primären Endpunktpopulation mit Werten von 3 bis 5 beobachtet.
Die Sicherheit der Kombination wurde von den Unternehmen als insgesamt gut verträglich beschrieben und als vereinbar mit den bekannten Sicherheitsprofilen der einzelnen Bestandteile. Es handelte sich um eine geplante Zwischenanalyse. Wegen des deutlichen Vorteils empfahl das unabhängige Datenüberwachungskomitee, die Studie zu entblinden.
Was das für Betroffene bedeutet
Das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom ist die häufigste Form des Non-Hodgkin-Lymphoms. Fortschritte in der Erstlinientherapie sind deshalb medizinisch besonders relevant. Wichtig ist jedoch: Die Kombination von Epcoritamab mit R-CHOP ist in dieser Erstlinien-Situation derzeit noch nicht zugelassen. Die bisher veröffentlichten Angaben beruhen auf Topline-Daten. Detaillierte Ergebnisse, etwa zu Nebenwirkungen, zur Dauer des Ansprechens oder zum Gesamtüberleben, sollen erst auf einer späteren Fachkonferenz vorgestellt werden.
Epcoritamab ist unter dem Handelsnamen Epkinly bereits in mehreren Ländern für bestimmte vorbehandelte oder rückfällige Lymphome zugelassen. Ob sich die positiven Studiendaten in eine neue Standardtherapie für neu diagnostizierte DLBCL-Patientinnen und -Patienten übersetzen lassen, müssen nun die vollständigen Daten und die Bewertung durch die Zulassungsbehörden zeigen.
Jüngere Menschen mit zuvor unbehandeltem Mantelzell-Lymphom könnten nach einer ibrutinibhaltigen Erstlinientherapie von einer Rituximab-Erhaltung profitieren. Darauf weist eine Sekundäranalyse der TRIANGLE-Studie hin, über die die Medical Tribune berichtet. Demnach war die Erhaltungstherapie mit einem längeren progressionsfreien Überleben verbunden.
Neue Auswertung der TRIANGLE-Studie
Analysiert wurden Patientinnen und Patienten, die in der TRIANGLE-Studie eine ibrutinibhaltige Therapie ohne autologe Stammzelltransplantation oder eine Kombination aus Ibrutinib und autologer Stammzelltransplantation erhalten hatten und auf die Behandlung angesprochen hatten. Die Rituximab-Erhaltung wurde entsprechend nationaler Leitlinien und der Praxis der jeweiligen Zentren durchgeführt, meist über zwei bis drei Jahre mit einer Gabe alle zwei Monate.
Nach Angaben der berichteten Auswertung erhielten 61 % der Responderinnen und Responder im Ibrutinib-Arm ohne Stammzelltransplantation sowie 64 % im Arm mit Stammzelltransplantation eine Rituximab-Erhaltung. Dabei zeigten sich Vorteile beim progressionsfreien Überleben: Die Vier-Jahres-Raten lagen bei 85 % gegenüber 73 % im Ibrutinib-Arm ohne Transplantation und bei 90 % gegenüber 75 % im Arm mit Transplantation. Beim Gesamtüberleben zeigte sich ebenfalls ein Vorteil, dieser erreichte jedoch keine statistische Signifikanz.
Nutzen mit zusätzlichen Risiken
Dem möglichen Nutzen standen mehr Nebenwirkungen gegenüber. Insbesondere höhergradige Infektionen traten unter der zusätzlichen Rituximab-Erhaltung häufiger auf. Laut Bericht waren im Ibrutinib-Arm 34 % unter Erhaltung gegenüber 11 % ohne Erhaltung von Infektionen der Grade 3 bis 5 betroffen; im Arm mit Stammzelltransplantation lagen die Werte bei 41 % gegenüber 18 %. Todesfälle infolge von Toxizitäten wurden ebenfalls beschrieben, vor allem im Zusammenhang mit Infektionen, darunter COVID-19, sowie mit Sekundärmalignomen.
Neue Langzeitdaten zur CAR-T-Zell-Therapie Lisocabtagen-Maraleucel (Liso-cel) sorgen in der Hämatoonkologie für Aufmerksamkeit. Wie die Medical Tribune berichtet, deuten Fünf-Jahres-Daten aus der TRANSCEND-NHL-001-Studie darauf hin, dass ein Teil der stark vorbehandelten Patientinnen und Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem großzelligem B-Zell-Lymphom (LBCL) langfristig profitieren könnte. Für manche Betroffene wird sogar die Möglichkeit einer Heilung diskutiert.
In der Studie wurden Menschen mit rezidiviertem oder refraktärem LBCL untersucht, die bereits mindestens zwei vorherige Therapielinien erhalten hatten. Laut dem Bericht überlebten 38 Prozent der behandelten Patientinnen und Patienten nach Gabe von Liso-cel noch nach fünf Jahren. Das mediane krankheitsspezifische Überleben lag bei 67,8 Monaten, und 52 Prozent waren nach fünf Jahren nicht an ihrem Lymphom verstorben. Zusätzlich konnte bei einem Teil der Teilnehmenden das CAR-T-Zell-Produkt auch nach längerer Zeit noch nachgewiesen werden.
Diese Zahlen sind deshalb bemerkenswert, weil es sich um eine sehr stark vorbehandelte Patientengruppe handelt. In solchen Situationen sind dauerhafte Krankheitskontrolle oder gar langanhaltende Remissionen besonders bedeutsam.
CAR-T-Zell-Therapien gehören zu den innovativsten Entwicklungen der modernen Krebsmedizin. Vereinfacht gesagt werden dabei körpereigene Immunzellen gentechnisch so verändert, dass sie Krebszellen gezielt erkennen und angreifen können. Liso-cel richtet sich gegen CD19-positive B-Zell-Lymphome und ist damit besonders für bestimmte aggressive Lymphomerkrankungen relevant.
Dass mit einer einmaligen, hochspezialisierten Therapie über Jahre anhaltende Remissionen möglich sein könnten, ist für viele Betroffene und Behandelnde ein wichtiger Fortschritt. Gerade bei Rückfällen nach mehreren Therapien waren die langfristigen Perspektiven bisher oft begrenzt.
So ermutigend die Langzeitdaten auch sind: Sie bedeuten nicht, dass Liso-cel für alle Betroffenen geeignet ist oder automatisch eine Heilung garantiert. CAR-T-Zell-Therapien sind komplex, mit möglichen schweren Nebenwirkungen verbunden und erfordern spezialisierte Zentren. Außerdem muss immer individuell geprüft werden, ob eine solche Behandlung medizinisch sinnvoll und durchführbar ist.
Dennoch zeigen die Ergebnisse, dass moderne Zelltherapien selbst bei weit fortgeschrittener Erkrankung langfristige Perspektiven eröffnen können, die vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar waren.
Für Menschen mit rezidiviertem oder refraktärem follikulärem Lymphom gibt es aus Kanada eine wichtige regulatorische Nachricht: Health Canada hat Epkinly (Epcoritamab) in Kombination mit Lenalidomid und Rituximab zugelassen. Die neue Indikation gilt für erwachsene Patientinnen und Patienten mit follikulärem Lymphom Grad 1, 2 oder 3a, die bereits mindestens eine systemische Vorbehandlung erhalten haben. Damit wird ein weiterer Einsatzbereich für den bispezifischen Antikörper eröffnet, der das Immunsystem gezielt gegen bösartige B-Zellen aktivieren soll.
Grundlage der kanadischen Entscheidung ist die Phase-3-Studie EPCORE FL-1 mit 488 erwachsenen Patientinnen und Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem follikulärem Lymphom. Laut den veröffentlichten Berichten senkte die Kombination aus Epcoritamab, Lenalidomid und Rituximab das Risiko für Krankheitsprogression oder Tod im Vergleich zu Lenalidomid und Rituximab allein um 79 Prozent. Das entspricht einer Hazard Ratio von 0,21 und ist ein sehr deutlicher Effekt.
Auch bei den Ansprechraten zeigte sich ein klarer Vorteil für die Dreifachkombination. In einer Subgruppenanalyse wurden eine Gesamtansprechrate von 95 Prozent sowie komplette Remissionen bei 83 Prozent der behandelten Personen berichtet. Solche Werte unterstreichen, warum die Kombination inzwischen in mehreren Ländern regulatorisch vorankommt.
Das follikuläre Lymphom gilt zwar meist als langsam wachsend, ist aber in vielen Fällen durch wiederkehrende Rückfälle geprägt. Viele Betroffene benötigen im Verlauf mehrere Therapielinien. Gerade deshalb sind neue wirksame Kombinationen wichtig, die nach einem Rückfall zusätzliche Optionen eröffnen. Die Zulassung in Kanada ist zwar keine direkte europäische Entscheidung, sie zeigt aber, dass Epkinly international weiter an Bedeutung gewinnt.
Für Patientinnen und Patienten auf Informationsseiten rund um Lymphomerkrankungen ist das vor allem deshalb interessant, weil sich hier ein Trend bestätigt: Moderne Antikörpertherapien werden zunehmend früher im Behandlungsverlauf geprüft und nicht erst in sehr späten Therapielinien eingesetzt.
Einordnung: Wirksamkeit und Nebenwirkungen gemeinsam betrachten
So vielversprechend die Wirksamkeitsdaten sind, so wichtig bleibt der Blick auf mögliche Nebenwirkungen. In den Berichten zu EPCORE FL-1 wurden unter der Epcoritamab-Kombination häufiger schwere therapiebedingte Nebenwirkungen beschrieben als unter Lenalidomid und Rituximab allein. Das ist bei hochwirksamen Immuntherapien nicht ungewöhnlich und zeigt, dass eine Behandlung sorgfältig überwacht und individuell eingeordnet werden muss.
Für Betroffene bedeutet das: Neue Zulassungen sind ein wichtiger Fortschritt, ersetzen aber nicht das Gespräch mit spezialisierten Hämatologinnen und Hämatologen über Nutzen, Risiken und die persönlich passende Therapiestrategie.
Eine aktuelle Meldung des Deutschen Ärzteblatts berichtet über Ergebnisse einer Phase-2-Studie, nach denen die Kombination aus Azacitidin und Venetoclax bei akuter myeloischer Leukämie (AML) auch bei fitten Patientinnen und Patienten der intensiven Chemotherapie überlegen sein könnte. Bisher wird diese Kombination vor allem bei Menschen eingesetzt, die wegen ihres Alters, von Begleiterkrankungen oder eingeschränkter Organfunktion nicht für eine intensive kurativ angelegte Chemotherapie infrage kommen. Die neuen Daten deuten nun darauf hin, dass das Therapieschema auch in einer breiteren Patientengruppe an Bedeutung gewinnen könnte.
Worum es in der Studie geht
Laut Ärzteblatt zeigte die in New England Journal of Medicine veröffentlichte Phase-2-Studie, dass Azacitidin plus Venetoclax mehr Betroffenen den Weg zu einer Stammzelltherapie eröffnen konnte. Zudem wurde ein deutlich längeres ereignisfreies Überleben beobachtet. Auch internationale Berichte zur PARADIGM-Studie heben hervor, dass die Kombination im Vergleich zur Standard-Induktionschemotherapie bessere Remissionen sowie Vorteile bei klinischen Endpunkten erreicht haben soll.
Warum das auch für hämatologische Informationsseiten relevant ist
Auch wenn die Nachricht die AML und nicht das Hodgkin-Lymphom betrifft, ist sie für Patientinnen und Patienten mit hämatologischen Erkrankungen medizinisch interessant. Sie zeigt, wie stark sich die Krebstherapie in Richtung gezielterer und oft besser verträglicher Kombinationen entwickelt. Gerade in der Hämatoonkologie wird immer deutlicher, dass klassische intensive Chemotherapie nicht in jeder Situation automatisch der beste Weg ist. Stattdessen gewinnen personalisierte und biologisch begründete Behandlungsstrategien weiter an Gewicht.
Einordnung mit Vorsicht
Wichtig ist allerdings eine zurückhaltende Einordnung. Die Meldung bezieht sich auf eine Phase-2-Studie. Solche Ergebnisse sind sehr relevant, müssen aber in der Regel durch weitere Studien bestätigt werden, bevor sich ein neuer Standard in der Breite etabliert. Außerdem betrifft die Aussage nicht das Hodgkin-Lymphom selbst, sondern eine andere schwere Blutkrebserkrankung. Für Betroffene bedeutet das: Die Nachricht ist vor allem ein Beispiel für den schnellen Fortschritt in der modernen Hämatoonkologie, nicht aber eine unmittelbar auf Hodgkin-Lymphome übertragbare Therapieänderung.
Die Entwicklung unterstreicht, wie wichtig es ist, neue Studiendaten mit dem behandelnden onkologischen Team einzuordnen. Fortschritte in benachbarten Krankheitsfeldern beeinflussen oft auch zukünftige Forschungsansätze bei Lymphomen. Wer sich über neue Therapieprinzipien informiert, gewinnt damit einen besseren Überblick über die Richtung, in die sich die Krebsmedizin insgesamt bewegt: weg von starren Standards, hin zu individuelleren und oft besser steuerbaren Behandlungskonzepten.
Genmab erlebt aktuell ein Rückschlag infolge der Studiendaten zum bispezifischen Antikörper Epkinly® (Epcoritamab), nachdem laut einem am 01.09.2026 veröffentlichten Bericht der Spätphasenversuch in diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom nicht den erhofften Erfolg brachte.
In den konkreten Studiendetails betrifft der Rückschlag die globale Phase-3-Bestätigungsstudie EPCORE DLBCL-1. Genmab und der Partner AbbVie haben in dieser Studie die Wirkung der Epcoritamab-Monotherapie (Epkinly) direkt mit einer Standard-Chemo-Immuntherapie (wie R-GemOx oder BR) bei Patientinnen und Patienten mit rückfälligem oder therapieresistentem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) verglichen.
Das verfehlte Hauptziel betifft das Gesamtüberleben (Overall Survival / OS). Für die US-Zulassung war das Gesamtüberleben (Overall Survival) das einzige primäre Studienziel. Hier konnte Epcoritamab keinen statistisch signifikanten Vorteil gegenüber der herkömmlichen Chemo-Immuntherapie zeigen (Hazard Ratio HR 0,96). Das Überleben der Patienten in der Epcoritamab-Gruppe unterschied sich im Beobachtungszeitraum kaum von der Vergleichsgruppe.
Trotz des verfehlten Hauptziels zeigte die Studie auch positive Ergebnisse:
Progressionsfreies Überleben (PFS): Epcoritamab reduzierte das Risiko für das Fortschreiten der Erkrankung oder den Tod im Vergleich zur Chemotherapie um 26 %.
Ansprechrate (Complete Response): 38 % der Patienten unter Epcoritamab erreichten eine vollständige Remission (Komplettansprechen) im Vergleich zu 26 % in der Chemotherapie-Gruppe.
Die Immunonkologie durchläuft eine rasante Entwicklung: CAR-T-Zell-Therapien haben die Behandlung von Blut- und Lymphdrüsenkrebs nachhaltig verändert. Ursprünglich vor allem bei schwer zu behandelnden Leukämien und B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphomen eingesetzt, wird das Einsatzfeld dieser „lebenden Medikamente“ durch intensive Forschung stetig erweitert – mit großem Potenzial für Betroffene von aggressiven oder rückfälligen (rezidivierten) Lymphomerkrankungen.Wie die CAR-T-Zell-Therapie funktioniert
Bei der CAR-T-Zell-Therapie handelt es sich um eine hochgradig personalisierte Form der Immuntherapie. Das Verfahren läuft in mehreren komplexen Schritten ab:
Entnahme: Dem Patienten werden körpereigene T-Zellen (Abwehrzellen des Immunsystems) mittels Leukapherese entnommen.
Gentechnische Umprogrammierung: Im Labor werden die T-Zellen mit einem synthetischen chimären Antigen-Rezeptor (CAR) ausgestattet. Dieser befähigt die Zellen, spezifische Proteine auf den Oberflächen der Krebszellen gezielt zu erkennen.
Vermehrung & Reinfusion: Die modifizierten CAR-T-Zellen werden im Labor millionenfach vermehrt und dem Patienten nach einer vorbereitenden Chemo-Therapie per Infusion zurückgegeben.
Bedeutung für die Behandlung von Lymphomen
Während die Erstlinienbehandlung beim Hodgkin Lymphom (etwa mit Kombinationstherapien wie ABVD oder eBEACOPP) hohe Heilungsraten erzielt, stellen rezidivierende oder therapierefraktere Verläufe Ärztinnen und Ärzte weiterhin vor Herausforderungen.
Bei bestimmten Non-Hodgkin-Lymphomen (wie dem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom oder dem primär mediastinalen B-Zell-Lymphom) gehören CAR-T-Zell-Therapien bereits zum etablierten Standard ab der Zweit- oder Drittlinie. Auch für das klassische Hodgkin Lymphom laufen klinische Studien, um CAR-T-Zellen (beispielsweise gerichtet gegen das Protein CD30) noch effektiver nutzbar zu machen.
Was kostet eine CAR-T-Zell-Therapie?
So aussichtsreich die Behandlungsergebnisse bei schwer behandelbaren Verläufen sind, so komplex und kostspielig ist das Herstellungsverfahren. Die Gesamtkosten setzen sich aus zwei Hauptkomponenten zusammen:
Reine Produktkosten (Zellherstellung): Der Preis für die gentechnische Aufbereitung der Zellen im Speziallabor liegt in Deutschland je nach Präparat derzeit zwischen 275.000 € und 350.000 € pro Patient (als einmaliges Arzneimittelpräparat).
Klinische Gesamtbehandlung: Zählt man den stationären Aufenthalt auf der Spezialstation, die vorbereitende Chemotherapie sowie das Management eventueller Nebenwirkungen (wie dem Zytokin-Freisetzungssyndrom / CRS) hinzu, belaufen sich die Gesamtkosten einer Behandlung auf 350.000 € bis 450.000 €.
Gründe für die hohen Kosten:
Personalisierte Einzelfertigung: Es handelt sich um kein standardisiertes Großserien-Medikament. Für jeden Patienten wird ein individuelles Gentherapeutikum hergestellt.
Aufwendige Logistik & Reinraum-Standards: Die Entnahme der Zellen, der gekühlte Transport ins Zentrallabor und die gentechnische Rekonstruktion unterliegen strengsten Arzneimittelstandards.
Intensivmedizinische Betreuung: Da nach der Reinfusion schwere Nebenwirkungen wie das Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS) oder neurologische Toxizitäten (ICANS) auftreten können, ist ein mehrwöchiger Aufenthalt an spezialisierten Zentren mit Intensivkapazität erforderlich.
In Deutschland wird die CAR-T-Zell-Therapie für die bereits zugelassenen Indikationen (z. B. bei bestimmten B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphomen und Leukämien) nach Prüfung und Genehmigung im Einzelfall von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Die Durchführung erfolgt ausschließlich an zertifizierten Behandlungszentren (meist Universitätsklinika). Die Abrechnung erfolgt über ein komplexes Zusammenspiel aus DRG, Zusatzentgelten/NUB (neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden) und Einzelfallentscheidungen mit teils erheblichen bürokratischen Hürden.
Das Krankenhaus erstellt einen medizinischen Bericht für den Kostenträger und beantragt bei der zuständigen Krankenkasse vor Beginn der Apherese eine schriftliche Kostenübernahme der kompletten Behandlung inkl. Zellprodukt, stationärem Aufenthalt und begleitender Leistungen. Die Therapie sollte nicht ohne vorliegende schriftliche Kostenzusage beginnen, weil eine nachträgliche Ablehnung für Krankenhaus und Patienten ruinöse Folgen haben kann.
Um die Kosten künftig zu senken und die Therapie breiter verfügbar zu machen, arbeiten Forscher a n dezentralen Herstellungsverfahren direkt an den Kliniken sowie an „allogenen“ CAR-T-Zellen (sogenannte Off-the-shelf-Produkte aus Spenderblut), die nicht mehr für jeden Patienten individuell maßgeschneidert werden müssen.
Derzeit zugelassene CAR-T-Zellpräparate
Die nachfolgende Aufstellung zeigt die derzeit in der EU verfügbaren CAR-T-Zellpräparate und ihre Einsatzgebiete.
Axicabtagen ciloleucel (Yescarta, Kite, Zulassung August 2018): gegen CD19 gerichtet. Zur Behandlung von Erwachsenen mit:
diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) und hochmalignem B-Zell-Lymphom (HGBL), das innerhalb von 12 Monaten nach Abschluss einer Erstlinien-Chemoimmuntherapie rezidiviert oder gegenüber dieser refraktär ist;
rezidiviertem oder refraktärem (r/r) DLBCL und primär mediastinalem großzelligem B-Zell-Lymphom (PMBCL) nach 2 oder mehr systemischen Therapien;
r/r follikulärem Lymphom (FL) nach 3 oder mehr systemischen Therapien.
Brexucabtagen autoleucel (Tecartus, Kite, Zulassung Dezember 2020): gegen CD19 gerichtet. Zur Behandlung von Erwachsenen mit:
Mantelzell-Lymphom (MCL), wenn die Erkrankung therapierefraktär ist oder ein Rezidiv auftritt (r/r MCL). Die Behandlung ist nach mindestens 2 Vortherapien inklusive einer Behandlung mit einem Bruton-Tyrosinkinase (BTK)-Inhibitor indiziert;
rezidivierter/refraktärer B-Zell-Vorläufer akuter lymphoblastischer Leukämie (r/r ALL) ab einem Alter von 26 Jahren.
Ciltacabtagen autoleucel (Carvykti, Janssen, Zulassung Mai 2022): gegen B-Zell-Reifungs-Antigen (BCMA) gerichtet. Zur Behandlung von Erwachsenen mit:
r/r multiplem Myelom, die mindestens eine Vortherapie erhalten haben, darunter einen Immunmodulator und einen Proteasom-Inhibitor, und die während der letzten Therapie eine Krankheitsprogression zeigten und gegenüber Lenalidomid refraktär sind.
Idecabtagen vicleucel (Abecma, BMS, Zulassung August 2021): gegen BCMA gerichtet. Zur Behandlung von Erwachsenen mit:
r/r multiplem Myelom, die mindestens 2 Vortherapien erhalten haben, darunter einen Immunmodulator, einen Proteasom-Inhibitor und einen CD38-Antikörper, und die während der letzten Therapie eine Krankheitsprogression zeigten.
Lisocaptagen maraleucel (Breyanzi, BMS, Zulassung April 2022): gegen CD19 gerichtet. Zur Behandlung von Erwachsenen mit:
diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL), hochmalignem B-Zell-Lymphom (HGBCL), primär mediastinalem großzelligem B-Zell-Lymphom (PMBCL) und follikulärem Lymphom Grad 3B (FL3B), die innerhalb von 12 Monaten nach Abschluss der Erstlinien-Chemoimmuntherapie rezidivierten oder gegenüber dieser Therapie refraktär sind;
r/r DLBCL, PMBCL und FL3B nach 2 oder mehr Linien einer systemischen Therapie;
r/r follikulärem Lymphom (FL) nach 2 oder mehr Linien einer systemischen Therapie;
r/r Mantelzell-Lymphom (MCL) nach mindestens 2 Linien einer systemischen Therapie, einschließlich eines Bruton-Tyrosinkinase (BTK)-Inhibitors.
Obecabtagen Autoleucel (Aucatzyl, Autolus GmbH, Zulassung Juli 2025): gegen CD19 gerichtet. Zur Behandlung von erwachsenen Patienten ab 26 Jahren mit r/r B-lymphoblastischer Leukämie (B ALL). Das Präparat ist derzeit in Deutschland noch nicht in den Handel eingeführt.
Tisagenlecleucel (Kymriah, Novartis, Zulassung August 2018): gegen CD 19 gerichtet. Zur Behandlung von:
Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter bis einschließlich 25 Jahren mit r/r (Rezidiv nach Transplantation oder 2. oder späteres Rezidiv) akuter lymphatischer B-Zell-Leukämie (ALL);
erwachsenen Patienten mit r/r diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) nach 2 oder mehr Linien einer systemischen Therapie;
Erwachsenen mit r/r follikulärem Lymphom (FL) nach 2 oder mehr Linien einer systemischen Therapie.
TEPKINLY (Epcoritamab) hat die EU-Zulassung in Kombination mit Lenalidomid und Rituximab (TEPKINLY + R2) zur Behandlung erwachsener Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem (R/R) follikulärem Lymphom (FL) erhalten.
Die Zulassung basiert auf Ergebnissen der Phase-3-Studie EPCORE FL-1, in der TEPKINLY mit fester Behandlungsdauer in Kombination mit R2 im Vergleich zur Standardtherapie R2 untersucht wurde.
Epcoritamab ist ein IgG1-bispezifischer Antikörper, der mithilfe der proprietären DuoBody-Technologie von Genmab hergestellt wird und subkutan verabreicht wird.
In der Phase-3-Studie EPCORE FL-1 erzielte TEPKINLY + R2 mit fester Behandlungsdauer im Vergleich zu Lenalidomid und Rituximab eine signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens sowie der Gesamtansprechrate; rund drei von vier Patienten erreichten ein komplettes Ansprechen.
Die Studie zeigte, dass TEPKINLY + R2 das Risiko für Krankheitsprogression oder Tod um 79% senkte. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Neutropenie, Hautausschlag, Infektionen der oberen Atemwege, Fatigue, Diarrhoe, Reaktionen an der Injektionsstelle, Anämie, Obstipation, Thrombozytopenie, CRS, Hypogammaglobulinämie, COVID-19, Pyrexie und Pneumonie. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten bei 44% der Patienten auf.
Roche hat in den USA die FDA-Zulassung für die Kombination aus Lunsumio (Mosunetuzumab) und Polivy (Polatuzumab vedotin) für großzelliges B-Zell-Lymphom erhalten.
Epcoritamab zusätzlich zu Lenalidomid / Rituximab (R2) verbessert das Ansprechen und verlängert das progressionsfreie Überleben. Dies geht aus neusten Ergebnissen der Phase-III-Studie EPCORE FL-1 hervor. Somit könnte Epcoritamab in Kombination mit Lenalidomid / Rituximab ein neuer Standard in der Zweitlinientherapie des rezidivierten oder refraktären follikulären Lymphoms (r/r FL) werden.
Innerhalb der Studie wurden 668 Patienten randomisiert 12 Zyklen Epcoritamab plus R2 (n = 243) oder 12 Zyklen R2 (n = 245) alleine erhalten.
Die Ansprechrate (ORR) betrug mit Epcoritamab plus R2 95 %, mit R2 79 %. 83 % der Patienten mit Epcoritamab und 50 % der mit R2-Patienten erreichten ein Komplettansprechen.
Die geschätzte 16-Monats-PFS-Rate betrug mit Epcoritamab plus R2 85,5 %, mit R2 40,2 %.
Die höhere Wirksamkeit der Dreifachkombination ging aber mit mehr Toxizität einher. Unerwünschte Ereignisse vom Grad ≥ 3 traten bei 90 % der mit Epcoritamab plus R2 und bei 68 % der mit R2-Patienten auf. Die häugigsten waren Neutropenie (69 vs. 42 %), Thrombozytopenie (9 vs. 6 %) und Infektionen (33 vs. 15 %).
Quelle: Falchi L et al. Epcoritamab, lenalidomide, and rituximab versus lenalidomide and rituximab for relapsed or refractory follicular lymphoma (EPCORE FL-1): a global, open-label, randomised, phase 3 trial. Lancet. 2026;407:161-173