IQWiG stellt Nutzen der allogenen Stammzelltrans­plantation in Frage

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) kommt in einem Abschlussbericht zur Prüfung des Nutzwertes der allogenen Stammzelltrans­plantation zum Ergebnis, das die Auswertung des Nutzwertes auf Grund von fehlenden Studien im Moment nicht möglich ist. Das berichtet das Ärzteblatt in Berufung auf diesen Bericht.

In dem Bericht wurden Ergebnisse von 43 Studien betrachtet und verglichen. Beim sogenannten Gesamtüberle­ben sah man aber in der Auswertung der Daten keinen klaren Vorteil der allogenen Stammzelltransplantation gegenüber den Vergleichstherapien.

Bei Erkrankungen mit einem Non-Hodgin-Lymphom wird in der primären Standardbehandlungslinie mit Chemo und optional Bestrahlung behandelt, sollte diese nicht erfolgreich sein, schließt sich eine autologe Stammzellentherapie (mit eigenen Stammzellen) an. Bei einem weiteren Versagen der Therapie folgt die Transplantation mit fremden Stammzellen, die allogene Stammzellentransplantation.

Im Moment werden in Deutschland pro Jahr ca. 250 Patienten mit einem Non-Hodgkin-Lymphom allogen transplantiert.

Dennoch erstaunt zum jetzigen Zeitpunkt die Stellungnahme der IQWiG, da für viele Erkrankte die allogene Stammzellentransplantation die letzte Möglichkeit auf Heilung ist und man in den vergangenen Jahren immer mehr Erfahrungen mit Stammzellentransplantationen und deren möglichen Nebenwirkungen sammeln konnte.

Quelle: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/103288/Nutzen-der-allogenen-Stammzelltransplantation-bei-Non-Hodgkin-Lymphom-unklar

22. DLH-Patientenkongress Leukämien & Lymphome

Vom 29. Juni bis zum 30. Juni 2019 findet der 22. DLH-Patientenkongress Leukämien & Lymphome der Stiftung Deutsche Leukämie & Lymphom-Hilfe statt. Die Veranstaltung findet im Hotel La Strada in Kassel statt.

Auf der Kongress-Seite www.dlh-kongress.de finden Sie das Programm mit allen Informationen rund um den Kongress. Hier kann man sich zur kostenlosen Teilnahme auch online anmelden.

Wissenschaftlicher Leiter ist Prof. Dr. Andreas Hochhaus, Klinik für Innere Medizin II, Direktor der Abteilung Hämatologie und Internistische Onkologie des Universitätsklinikums Jena.

Zu den anwesenden Referenzen gehören unter anderem Prof. Dr. Andreas Hochhaus (Jena), PD Dr. Thomas Ernst (Jena), Prof. Dr. Hermann Einsele (Würzburg), Dr. Friederike Hunstig (Jena), PD Dr. Sebastian Scholl (Jena), Dr. Paul Bröckelmann (Köln), Prof. Dr. Paul Graf La Rosée (Villingen-Schwenningen), Dr. Henry Sebastian (Kassel), Prof. Dr. Ute Hegenbart (Heidelberg).

primärer Endpunkt der L-MIND-Studie erreicht (DLBCL)

Die MorphoSys AG gab heute bekannt, das der primäre Endpunkt der L-MIND-Studie erreicht ist. Die Studie L-MIND ist eine einarmigen Phase 2-Kombinationsstudie vom CD19-Antikörper Tafasitamab (MOR208) in Kombination mit Lenalidomid bei Patienten mit einem rezidivierten (wiederkehrenden) oder refraktären (therapieresistenten) diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (R/R DLBCL), die nicht für eine Hochdosis-Chemotherapie und autologe Stammzelltransplantation in Betracht kommen.

Die Ergebnisse basieren auf 80 Patientenergebnissen, die eine Nachbeobachtungszeit von mindestens einem Jahr erreicht haben. Die Ansprechrate auf die Therapie lag bei 60% (48 von 80 Patienten), und die komplette Ansprechrate (CR) betrug 43% (34 von 80 Patienten). Das mediane progressionsfreie Überleben (mPFS) betrug 12,1 Monate mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 17,3 Monaten. Die mediane Ansprechdauer (mDoR) betrug 21,7 Monate.

Tafasitamab (MOR208) ist ein gegen das Zielmolekül CD19 gerichteter humanisierter monoklonaler Antikörper mit modifiziertem Fc-Teil. Basierend auf vorläufigen Daten von L-MIND hat die FDA im Oktober 2017 den Status Therapiedurchbruch für Tafasitamab plus Lenalidomid in dieser Patientenpopulation erteilt.

CAR-T: Neue Ergebnisse der JULIET-Studie

CAR-T ist weiterhin ein gutes Mittel für besonders stark refraktäre Lymphome bzw. für Patienten mit mehreren Rezidiven eines B-Zell-Lymphoms. Dies geht aus aktuellen Daten der JULIET-Studie zu Tisagenlecleucel hervor.

Nach einem Jahr sind immer noch 69 % der Patienten rezidivfrei. Bei 40 % der 93 Patienten in der Schlussauswertung gab es ein komplettes Ansprechen auf die Therapie, bei 12 % der Patienten ein partielles Ansprechen.

Quelle: Schuster SJ et al. Tisagenlecleucel in Adult Relapsed or Refractory Diffuse Large B-Cell Lymphoma. N Engl J Med. 2019;380(1):45–56

beschleunigtes Zulassungsverfahren für Polatuzumab Vedotin (DLBCL)

Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat Polatuzumab Vedotin von Roche den Status für ein beschleunigtes Zulassungsverfahren gewährt. Polatuzumab Vedotin ist ein Anti-CD79b-Antikörper-Wirkstoff-Konjugat und wird in Kombination mit Bendamustin und Rituxan zur Verbesserung der klinischen Ergebnisse bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem diffusem großem B-Zell-Lymphom (DLBCL) eingesetzt.

Den Status bekam Polatuzumab Vedotin zugesprochen, da erste Studiendaten durchaus vielversprechend aussahen.

Die FDA erwartet die Marktzulassung für den August 2019.

PD-1-Inhibitor Sintilimab aus China

Nivolumab und Pembrolizumab könnten demnächst Konkurrenz vom chinesischen Markt bekommen. Chinesische Forscher haben mit Sintilimab einen neuen PD-1-Inhibitor entwickelt, der aktuell in einer Phase-2-Studie beim rezidivierten und refraktären Hodgkin-Lymphom hohe Ansprechraten erzielt. Sintilimab könnte in China einen großen Erfolg erreichen, da dort weder Brentuximab Vedotin noch Nivolumab und Pembrolizumab verfügbar sind. In wie weit Sintilimab dann auch nach Europa dringt, ist aktuell nicht bekannt.

An der Studie nahmen 92 chinesische Patienten mit einem rezidivierten oder refraktäre klassischen Hodgkin-Lymphom teil. Innerhalb der Studie erhielten die Patienten Sintilimab in einer Dosierung von 200 mg i.v. im Abstand von jeweils 3 Wochen.

Die Patienten waren median 33 Jahre alt und zu 58 % männlich. Zwei Drittel waren im Stadium IV, weitere 31 % in den Stadien 2 und 3. 68% hatten 3 oder mehr Chemotherapien erhalten, 54 % eine Strahlentherapie und 19 % eine autologe Stammzelltransplantation.

Nach einer Nachbeobachtungszeit von 10 Monaten sprachen 80,4% (74 Patienten) auf Sintilimab an, davon erzielte man 34$ komplette Revisionen und 47% partielle Remissionen. Die mediane Dauer des Ansprechens war noch nicht erreicht, ebenso wenig das progressionsfreie Überleben.

Brentuximab Vedotin) in Kombination mit AVD zur Behandlung anstelle von BEACOPP esk. zugelassen

Seit Jahren ist in Deutschland der Standard für Morbus Hodgkin im fortgeschrittenem Stadium die Chemotherapie BEACOPP eskaliert. Nun gibt es von der EMA die Zulassung für Brentuximab (Adcetris) + AVD (Adriamycin, Vinblastin und Dacarbazin) für das fortgeschrittene Stadium. Die Entscheidung folgt einer befürwortenden Stellungnahme des Ausschusses für Humanarzneimittel (Committee for Medicinal Products for Human Use, CHMP) vom 13. Dezember 2018.

Damit steht neben BEACOPP eskaliert eine weitere Behandlungsmöglichkeit für Patienten mit CD30-positiven Morbus Hodgkin im Stadium IV zur Verfügung. Die Zulassung erfolgt auf Basis der Daten der ECHELON-1-Studie.

Start einer Phase I Studie zu ADCT-402 und IMFINZI (DLBCL, FL, MCL)

ADC Therapeutics startet eine offene, einarmige Phase 1 Studie zu ADCT-402 (Loncastuximab Tesirin) und IMFINZI (Durvalumab) bei rezidiviertem oder refraktärem diffusem großzelligem B-Zell-, Mantelzell- und follikulärem Lymphom.

ADCT-402 (Loncastuximab Tesirin) ist ein CD-19-Antikörper, der sich bereits in einer Phase II-Zulassungsstudie mit 183 Patienten befindet und bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem DLBCL untersucht wird und dort bereits als Einzelwirkstoff eine vielversprechende Antitumorwirkung zeigte. Durvalumab ist ein monoklonaler Antikörper, der sich an PD-L1 bindet und die Wechselwirkung von PD-L1 mit PD-1 und CD80 blockiert.

An der Studie sollen etwa 75 Patienten teilnehmen. Weitere Informationen finden Sie unter www.clinicaltrials.gov – Kennung NCT03685344.

Langzeitergebnisse der Studie HD16 – Bestrahlung weiter empfohlen

Im Ergebnis der Langzeitbeobachtungen der Studie HD16 kommt man zum Schluss, das die Bestrahlung im Frühstadium des Morbus Hodgkin die Prognose verbessert und das man auf die Strahlentherapie nicht verzichten sollte.

Die Standardbehandlung für Patienten mit frühem Hodgkin-Lymphom mit guter Prognose besteht aus zwei Zyklen Chemotherapie nach dem ABVD-Protokoll (Doxorubicin, Bleomycin, Vinblastin und Dacarbazin) gefolgt von einer Strahlentherapie mit einer Dosis von 20 Gy.

An der Studie nahmen 1.150 Patienten mit Hodgkin-Lymphom im Alter von 18 bis 75 Jahren im Zeitraum November 2009 bis Dezember 2015 teil. 628 wiesen nach der Chemotherapie in der anschließenden PET-Untersuchung einen negativen Befund auf. Von diesen 628 wurden 328 Patienten randomisiert bestrahlt, Patienten mit PET-positiven Befund wurden ebenfalls bestrahlt.

Das Fünf-Jahres-Gesamtüberleben in beiden Behandlungsgruppen war mit rund 98 Prozent gleichermaßen hoch. Patienten, die die zusätzliche Bestrahlung erhalten hatten, blieben auch im fünften Jahr nach der Diagnose noch krankheitsfrei. Das geschätzte Fünf-Jahresüberleben ohne Krankheitsrückfall (PFS) lag in der Chemo-Strahlentherapiegruppe bei rund 93 Prozent, in der Chemotherapiegruppe nur bei rund 86 Prozent. Auf Grund dieser Ergebnisse wird die Bestrahlung von Patienten mit Morbus Hodgkin im frühen Stadium weiter empfohlen.

Quelle:
Fuchs M et al. PET-Guided Treatment of Early-Stage Favorable Hodgkin Lymphoma: Final Results of the International, Randomized Phase 3 Trial HD16 By the German Hodgkin Study Group. Präsentation beim ASH Annual Meeting, 3. Dezember 2018, Abstract 925

Ergebnisse der AUGMENT-Studie zu Lenalidomid beim follikulärem Lymphom

Auf der ASH 2018 hat Celgene weitere Ergebnisse der AUGMENT-Studie präsentiert. In der AUGMENT-Studie wird Lenalidomid + Rituximab bei Patienten mit rezidiviertem/refraktärem indolentem Lymphom untersucht. Im Vergleichsarm erhielten die Patienten Rituximab plus ein Placebo-Medikament.

In die Phase III-Studie waren 295 Patienten mit rezidiviertem/refraktärem follikulärem Lymphom und 63 Patienten mit einem Marginalzonen-Lymphom eingeschlossen.

Im Arm mit Lenalidomid (Revlimid) betrug das mediane progressionsfreie Überleben 39,4 Monate, im Placebo-Arm mit Rituximab 14,1 Monate. Nach zwei Jahren lebten im Lenalidomid-Arm noch 93% der Patienten (16 Todesfälle) und im Placebo-Arm mit Rituximab noch 87% der Patienten (26 Todesfälle). Die Gesamtansprechrate lag im Lenalidomid-Arm bei 78%, im Rituxmab-Placebo-Arm bei 53%.

Im Lenalidomid-Arm kam es zu folgenden Nebenwirkungen: Neutropenien (58%), Durchfall (31%), Verstopfung (26%), Husten (23%), Fatigue (22%).

Auf Grund der Ergebnisse wird die Zulassung für 2019 erwartet. Aktuell ist Lenalidomid allein oder in Kombination mit anderen Wirkstoffen in keinem Land für die Behandlung des follikulären Lymphoms oder des Marginalzonen-Lymphoms zugelassen.

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