Uniklinik Ulm startet Krebsregister für follikuläre Lymphome (FL)

Die Uniklinik Ulm, unter der Leitung von Christian Buske (Ärztlicher Direktor am Comprehensive Cancer Center Ulm (CCCU)), hat ein nationales Register für Patienten mit follikulärem Lymphom eingerichtet. Dem Register sollen sich laut Planung 100 Krebszentren aus ganz Deutschland anschließen und Daten zu Patienten mit einem follikulären Lymphom liefern.

Das follikuläre Lymphom ist eine häufige Form des Non-Hodgkin-Lymphoms. Es verläuft oft langsam und weniger aggressiv. Bei einer großen Mehrzahl der Patienten wird es daher erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert.

Die Uniklinik Ulm führt bereits das deutschlandweite Register für Marginalzonen-Lymphome.

Mit dem Register sollen zukünftig Patientendaten vergleichbar gemacht werden, um so bessere und einheitliche Therapieentscheidungen treffen zu können.

Bestrahlung von Lymphomen während der Corona-Pandemie

Patienten mit malignen hämatologischen Erkrankungen zählen auch wegen dem geschwächten Immunsystem zur Risikogruppe des SARS-CoV-2-Virus. Ein Fachgremium der International Lymphoma Radiation Oncology Group (ILROG) unter Dr. Joachim Yahalom vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York sprach jetzt Empfehlungen zur Bestrahlung von Lymphomen in Zeiten der Corona-Pandemie aus.

Zeichnet sich das Risiko für einen schweren Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion bei einem Patienten ab, sollte man unter gewissen Umständen auf die Bestrahlung verzichten. Darunter fallen Patienten

  • ab 60 Jahren mit schweren Vorerkrankungen.
  • Patienten in einer palliativen Behandlung mit Alternativen zur Bestrahlung
  • komplette Entfernung eines lokalen niedrig-malignen Lymphoms oder eines lymphozytenprädominanten Hodgkin-Lymphoma
  • aggressives Non-Hodgkin-Lymphom bzw. diffus großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL), bei dem nach beendeter Chemo eine komplette Remission erreicht wurde

Generell sollte die erfolgreiche Tumorbehandlung aber im Vordergrund stehen und bei jedem Patienten individuell entschieden werden. Als Alternative stünde eine Verschiebung der Bestrahlung auf einen späteren Zeitpunkt, wenn dies die Prognose des Patienten nicht oder nur geringfügig beeinträchtigt und dadurch kein Krankheitsprogress zu erwarten ist.

Quelle:
Yahalom J et al. Blood 2020; 135: 1829-1832; DOI: 10.1182/blood.2020006028

Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) kritisiert die Kosten von CAR-T

Die CAR-T-Zell-Therapie ist ein Hoffnungsschimmer für die Behandlung von hartnäckigen (refraktären) Lymphomen. Allerdings ist dies auch eine sehr kostenintensive Behandlung. Die Hersteller Novartis und Gilead verlangen bis zu knapp 300.000 Euro pro Patient. Die wird von Experten des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) aktuell kritisiert, in einer Vollkosten-Kalkulation haben sie errechnet, das die Produktion um Faktor 5 günstiger ist.

In der Kostenkalkulation landete man am Ende bei knapp 60.000 € je Patient unter Berücksichtigung der Kosten für die Einrichtung eines Reinraums, Labormaterialien, Geräteausstattung sowie sämtliche Lohn- und Lohnnebenkosten.

Quelle:
DOI: 10.1002/ijc.33156
Tao Ran, Stefan B. Eichmüller, Patrick Schmidt, Michael Schlander: Cost of decentralized CAR T cell production in an academic non-profit setting. International Journal of Cancer 2020.

Mogamulizumab – neuer Antikörper für das kutane T-Zell-Lymphom

Mycosis fungoides und Sézary-Syndrom zählen zu den häufigsten kutanen T-Zell-Lymphomen. Mit Mogamulizumab (Poteligeo) steht nun ein neuer CCR4-Antikörper für Behandlung zur Verfügung. Die entarteten T-Zellen exprimieren das Protein C-C-Chemokinrezeptor 4 (CCR4), das es ihnen ermöglicht, vom Blut in die Haut zu gelangen. Dieses Protein nutzt der Antikörper Mogamulizumab für sein Wirkschema jetzt aus.

Mogamulizumab (Poteligeo®) ist indiziert zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit Mycosis fungoides (MF) oder Sézary-Syndrom (SS), die mindestens eine vorherige Therapie durchlaufen haben.

Die Zulassung von Mogamulizumab basiert auf der Phase-III-Studie MAVORIC, an der 372 Patienten mit MF oder SS teilnahmen. Innerhalb der Studie erhielten die Patienten randomisiert Mogamulizumab oder Vorinostat.

Im Arm mit Mogamulizumab reduzierte sich das Progressionsrisiko um 47%. Im Durchschnitt lebten die Patienten ca. 7,7 Monate ohne Fortschreiten der Krankheit, in der Gruppe mit Vorinostat nur 3,1 Monate. Die Gesamtansprechrate lag bei 28%, im Vergleichsarm mit Vorinostat bei nur 4,8%. Die Gesamtdauer des Ansprechens lag bei Mogamulizumab bei 14 Monaten und bei Vorinostat bei 9 Monaten.

Die häufigsten schwerwiegenden Nebenwirkungen waren Pneumonie, Fieber, Reaktionen im Zusammenhang mit der Infusion und eitrige Entzündungen der Unterhaut (Phlegmone). Als häufigste Nebenwirkungen traten Reaktionen im Zusammenhang mit der Infusion und Ausschlag auf. Diese waren zumeist nicht schwerwiegend (Schweregrade 1 oder 2).

Die empfohlene Dosis für die intravenöse Infusion beträgt 1 mg pro kg Körpergewicht über 60 Minuten an den Tagen 1, 8, 15 und 22 des ersten 28-tägigen Zyklus. Anschließend erfolgen die Infusionen alle zwei Wochen an den Tagen 1 und 15 jedes nachfolgenden 28-tägigen Zyklus bis zum Fortschreiten der Erkrankung oder dem Auftreten inakzeptabler Toxizität.

Phase-II-Daten der R2A-Chemo bei Non-GCB-DLBCL-Patienten

Celltrion Healthcare veröffentliche Daten der R2A-Phase-II-Studie von Truxima® (Rituximab-Biosimilar), Lenalidomid und Acalabrutinib (R2A) bei rezidivierten/refraktären aggressiven B-Zell-Lymphomen. Ziel dieser klinischen Phase-II-Studie seit Juli 2019 war es, die Toxizität und Wirksamkeit des R2A-Schemas bei rezidivierten/refraktären aggressiven B-Zell-Lymphomen zu untersuchen.

Innerhalb der Studie wurden 22 Patienten mit einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 3,2 Monaten behandelt. Die Mehrheit der Patienten (73 %) litt an einem nicht keimzentrumsartigen diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (Non-GCB DLBCL).

In jedem Zyklus erhielten die Patienten an Tag 1 eine intravenöse Injektion mit 375 mg/m2 Rituximab, von Tag 1 – 21 einmal täglich 20 mg Lenalidomid und von Tag 1 – 28 zweimal täglich 100 mg Acalabrutinib. Die Dauer des Zyklus beträgt 28 Tage, alle Patienten erhielten 6 Zyklen.

Bei Patienten die auf die Therapie ansprachen wurde eine Erhaltungstherapie mit Acalabrutinib bis zu einem Jahr verabreicht.

Von den 13 Patienten, die in die Studienbeobachtung Daten lieferten, zeigten 69& ein objektives Ansprechen auf die Therapie, davon erreichten 31% eine komplette Remission (CR). Das 6-Monate progressionsfreie Überleben (PFS) lag bei 83%.

Ergebnisse der Studie HD17 zum Hodgkin Lymphom

Die Studie HD17 der GHSG in Köln untersuchte, ob man die Bestrahlung beim Hodgkin Lymphom (HL) einsparen kann, da diese mit späteren Toxitäten einhergehen kann. Innerhalb der Studie bekamen die Patienten 2 Zyklen BEACOPP eskaliert und 2 Zyklen ABVD und im Anschluss eine Bestrahlung nach einem durchgeführten PET-CT.

In die randomisierte HD17-Studie wurden 1.100 Patienten mit einem neu diagnostizierten Hodgkin Lymphom eingeschlossen, von denen 428 Patienten im Standard-Arm mit Bestrahlung und 477 im PET-geführten Studienarm (ohne Bestrahlung bei PET-negativen Patienten) behandelt wurden. Mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 46 Monaten war das 5-Jahres progressionsfreie Überleben (PFS) in beiden Armen vergleichbar mit 95,1 % mit PET-geführten Arm der Bestrahlung und 97,3% im Standardarm mit Bestrahlung. Auch das Gesamtüberleben (OS) war in beiden Armen nahezu identisch mit 98,5 mit PET-gesteuerten Arm der Bestrahlung und 98,8% im Standardarm.

Die PET-geführte Chemotherapie/Bestrahlung ist aktueller GHSG-Standard für die Behandlung von neu diagnostizierten Patienten mit Hodgkin Lymphom im mittleren Stadium.

Quelle:
Borchert P et al.: Position emission tomography guided omission of radiotherapy in early-stage unfavorable Hodgkin lymphoma: Final results of the international, randomized phase III HD17 trial by the GHSG. EHA 2020, Abstr. #S101

Ergebnisse der Zulassungsstudie Loncastuximab-Tesirin von ADC Therapeutics (DLBCL)

ADC Therapeutics veröffentlichte Daten aus der zulassungsrelevanten klinischen Phase-II-Studie LOTIS 2 zu Loncastuximab-Tesirin (Lonca, vormals ADCT-402) bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL). Innerhalb der Studie LOTIS 2 zeigte Lonca als Einzel-Wirkstoff eine Gesamtansprechrate (ORR) von 48,3% (70/145 Patienten) und eine vollständige Ansprechrate (CRR) von 24,1% (35/145 Patienten) und in Kombination mit Ibrutinib in der Studie LOTIS 3 eine Gesamtansprechrate von 75,0% und eine vollständige Ansprechrate von 58,3%.

In der Studie LOTIS 2 waren 145 Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem DLBCL und mehr als 2 Vortherapien eingeschlossen. Die Patienten erhielten alle drei Wochen eine 30-minütige intravenöse Infusion von Lonca in einer Dosis von 150 μg/kg für die ersten beiden Zyklen, gefolgt von 75 μg/kg für die folgenden Zyklen bis zu einem Jahr oder bis zum Fortschreiten der Krankheit, bis zu einer inakzeptablen Toxizität oder bis zum Vorliegen anderer Abbruchkriterien, je nachdem, was zuerst eintrat. Innerhalb der Studie erhielten die Patienten im Durchschnitt 4,3 Zyklen, der maximale Wert lag zum 06. April 2020 bei 15 Zyklen. Die mediane Dauer des Ansprechens lag zum Daternstichpunkt 06.APril 2020 bei 10,25 Monaten.

Die häufigsten therapiebedingten unerwünschten Nebenwirkungen vom Grad ≥3 bei ≥10% der Patienten waren: Neutropenie (25,5%) mit niedriger Inzidenz von febriler Neutropenie (3,4%), Thrombozytopenie (17,9%), erhöhte GGT (16,6%) und Anämie (10,3%)

In der Studie LOTIS 3 mit dem Kombinationswirkstoff Ibrutinib wurde Lonca in Form von 30-minütigen intravenösen Infusionen in Dosen von 60 oder 90 μg/kg verabreicht. Die Patienten erhalten Lonca alle drei Wochen für die ersten beiden Dosen und gleichzeitiger Gabe einer festen Dosis Ibrutinib (560 mg/Tag, oral) für bis zu einem Jahr. Zum Datenstichtag 6. April 2020 waren 25 Patienten in die Studie aufgenommen, darunter 23 Patienten mit DLBCL und zwei Patienten mit MCL.

Die häufigsten therapiebedingten unerwünschten Nebenwirkungen vom Grad ≥3 bei ≥10% der Patienten waren Thrombozytopenie (20%) und Anämie (12%)

Im zweiten Halbjahr 2020 soll bei der US-Arzneimittelbehörde FDA einen Biologika-Lizenzantrag (BLA) für Lonca zur Behandlung von rezidiviertem oder refraktärem DLBCL gestellt werden. Mit der Markteinführung in Europa ist frühestens Mitte 2021 zu rechnen.

Darinaparsin (SP-02) neuer Wirkstoff zur Behandlung des PTCL

Der Hersteller Solasia verkündet mit Darinaparsin (SP-02) einen neuen Wirkstoff zur Behandlung des rezidivierten oder refraktären peripheren T-Zell-Lymphom (PTCL). In einer zentralen Phase-2-Studie als Zulassungsstudie hat der Wirkstoff seinen primären Endpunkt erreicht.

Darinaparsin ist ein neuartiges, auf die Mitochondrien zielendes Medikament (organische Arsenverbindung), das für die Behandlung verschiedener hämatologischer Krebsarten und solider Krebsarten entwickelt wurde.

Der Zulassungsantrag bei der amerikanischen Zulassungsbehörde NDA wird aktuell vorbereitet.

Weitere Informationen finden Sie unter https://www.solasia.co.jp/en/pipeline/sp-02.html

Antikörper-Therapie im Kindes- und Jugendalter verbessert Prognose

Im Rahmen einer Studie kam man jetzt zu dem Ergebnis, das mit einer kombinierten Chemotherapie und einem CD-20-Antikörper, wie beispielsweise Rituximab, die Überlebensaussichten von an Non-Hodgkin-Lymphom erkrankten Kinder und Jugendlichen verbessert werden kann.

An der internationalen Phase III-Studie nahmen 328 Patienten unter 18 Jahren teil, die an einem B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom im Stadium III oder IV oder akuter Leukämie erkrankt waren. Bei 86% der Teilnehmer wurde ein Burkett Lymphom diagnostiziert. Innerhalb der Studie erhielten die Patienten die Standard-Therapie oder die Standard-Therapie und einen CD20-Antikörper.

Nach einer Nachbeobachtung von 3 Jahren waren in der Gruppe Chemotherapie und Antikörper 94% der Patienten progressionsfrei, in der Vergleichsgruppe die nur Chemotherapie bekam waren es 82%. In der Gruppe Chemotherapie und Antikörper verstarben 4 an der Erkrankung selbst, drei an den Folgen der Therapie und einer an einer weiteren Krebserkrankung. In der Vergleichsgruppe, welche die Standardtherapie erhielten, verstarben 20 Patienten, davon 17 aufgrund des Lymphoms selbst und drei an den Folgen der Behandlung.

Quelle:
Minard-Colin V et al. Rituximab for High-Risk, Mature B-Cell Non-Hodgkin’s Lymphoma in Children. New England Journal of Medicine 2020, 382:2207-19

DGHO erteilt Pembrolizumab Empfehlung beim rezidivierten/refraktären Hodgkin Lymphom

Die DGHO hat auf Basis der Ergebnisse der KEYNOTE-104-Studie (Kuruvilla et al., KEYNOTE-104, Abstract 8005) die Handlungsempfehlung ausgesprochen, Pembrolizumab als neuen Behandlungsstandard beim rezidivierten/refraktären Hodgkin Lymphom zu setzen.

Die Immuntherapie mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab ist der Therapie mit dem Antikörper Brentuximab Vedotin beim rezidivierten/refraktären Hodgkin Lymphom überlegen. Pembrolizumab führt zu einer statistisch signifikanten und klinisch relevanten Verlängerung des progressionsfreien Überlebens.

Quellen:
https://meetinglibrary.asco.org/record/186007/abstract

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