aktueller Stand der CAR-T-Theapie und deren Kosten

Die Immunonkologie durchläuft eine rasante Entwicklung: CAR-T-Zell-Therapien haben die Behandlung von Blut- und Lymphdrüsenkrebs nachhaltig verändert. Ursprünglich vor allem bei schwer zu behandelnden Leukämien und B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphomen eingesetzt, wird das Einsatzfeld dieser „lebenden Medikamente“ durch intensive Forschung stetig erweitert – mit großem Potenzial für Betroffene von aggressiven oder rückfälligen (rezidivierten) Lymphomerkrankungen.Wie die CAR-T-Zell-Therapie funktioniert

Bei der CAR-T-Zell-Therapie handelt es sich um eine hochgradig personalisierte Form der Immuntherapie. Das Verfahren läuft in mehreren komplexen Schritten ab:

  1. Entnahme: Dem Patienten werden körpereigene T-Zellen (Abwehrzellen des Immunsystems) mittels Leukapherese entnommen.
  2. Gentechnische Umprogrammierung: Im Labor werden die T-Zellen mit einem synthetischen chimären Antigen-Rezeptor (CAR) ausgestattet. Dieser befähigt die Zellen, spezifische Proteine auf den Oberflächen der Krebszellen gezielt zu erkennen.
  3. Vermehrung & Reinfusion: Die modifizierten CAR-T-Zellen werden im Labor millionenfach vermehrt und dem Patienten nach einer vorbereitenden Chemo-Therapie per Infusion zurückgegeben.

Bedeutung für die Behandlung von Lymphomen

Während die Erstlinienbehandlung beim Hodgkin Lymphom (etwa mit Kombinationstherapien wie ABVD oder eBEACOPP) hohe Heilungsraten erzielt, stellen rezidivierende oder therapierefraktere Verläufe Ärztinnen und Ärzte weiterhin vor Herausforderungen.

Bei bestimmten Non-Hodgkin-Lymphomen (wie dem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom oder dem primär mediastinalen B-Zell-Lymphom) gehören CAR-T-Zell-Therapien bereits zum etablierten Standard ab der Zweit- oder Drittlinie. Auch für das klassische Hodgkin Lymphom laufen klinische Studien, um CAR-T-Zellen (beispielsweise gerichtet gegen das Protein CD30) noch effektiver nutzbar zu machen.

Was kostet eine CAR-T-Zell-Therapie?

So aussichtsreich die Behandlungsergebnisse bei schwer behandelbaren Verläufen sind, so komplex und kostspielig ist das Herstellungsverfahren. Die Gesamtkosten setzen sich aus zwei Hauptkomponenten zusammen:

  • Reine Produktkosten (Zellherstellung): Der Preis für die gentechnische Aufbereitung der Zellen im Speziallabor liegt in Deutschland je nach Präparat derzeit zwischen 275.000 € und 350.000 € pro Patient (als einmaliges Arzneimittelpräparat).
  • Klinische Gesamtbehandlung: Zählt man den stationären Aufenthalt auf der Spezialstation, die vorbereitende Chemotherapie sowie das Management eventueller Nebenwirkungen (wie dem Zytokin-Freisetzungssyndrom / CRS) hinzu, belaufen sich die Gesamtkosten einer Behandlung auf 350.000 € bis 450.000 €.

Gründe für die hohen Kosten:

  1. Personalisierte Einzelfertigung: Es handelt sich um kein standardisiertes Großserien-Medikament. Für jeden Patienten wird ein individuelles Gentherapeutikum hergestellt.
  2. Aufwendige Logistik & Reinraum-Standards: Die Entnahme der Zellen, der gekühlte Transport ins Zentrallabor und die gentechnische Rekonstruktion unterliegen strengsten Arzneimittelstandards.
  3. Intensivmedizinische Betreuung: Da nach der Reinfusion schwere Nebenwirkungen wie das Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS) oder neurologische Toxizitäten (ICANS) auftreten können, ist ein mehrwöchiger Aufenthalt an spezialisierten Zentren mit Intensivkapazität erforderlich.

In Deutschland wird die CAR-T-Zell-Therapie für die bereits zugelassenen Indikationen (z. B. bei bestimmten B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphomen und Leukämien) nach Prüfung und Genehmigung im Einzelfall von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Die Durchführung erfolgt ausschließlich an zertifizierten Behandlungszentren (meist Universitätsklinika). Die Abrechnung erfolgt über ein komplexes Zusammenspiel aus DRG, Zusatzentgelten/NUB (neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden) und Einzelfallentscheidungen mit teils erheblichen bürokratischen Hürden.

Das Krankenhaus erstellt einen medizinischen Bericht für den Kostenträger und beantragt bei der zuständigen Krankenkasse vor Beginn der Apherese eine schriftliche Kostenübernahme der kompletten Behandlung inkl. Zellprodukt, stationärem Aufenthalt und begleitender Leistungen. Die Therapie sollte nicht ohne vorliegende schriftliche Kostenzusage beginnen, weil eine nachträgliche Ablehnung für Krankenhaus und Patienten ruinöse Folgen haben kann.

Um die Kosten künftig zu senken und die Therapie breiter verfügbar zu machen, arbeiten Forscher a n dezentralen Herstellungsverfahren direkt an den Kliniken sowie an „allogenen“ CAR-T-Zellen (sogenannte Off-the-shelf-Produkte aus Spenderblut), die nicht mehr für jeden Patienten individuell maßgeschneidert werden müssen.

Derzeit zugelassene CAR-T-Zellpräparate

Die nachfolgende Aufstellung zeigt die derzeit in der EU verfügbaren CAR-T-Zellpräparate und ihre Einsatzgebiete.

Axicabtagen ciloleucel (Yescarta, Kite, Zulassung August 2018): gegen CD19 gerichtet. Zur Behandlung von Erwachsenen mit:

  • diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) und hochmalignem B-Zell-Lymphom (HGBL), das innerhalb von 12 Monaten nach Abschluss einer Erstlinien-Chemoimmuntherapie rezidiviert oder gegenüber dieser refraktär ist;
  • rezidiviertem oder refraktärem (r/r) DLBCL und primär mediastinalem großzelligem B-Zell-Lymphom (PMBCL) nach 2 oder mehr systemischen Therapien;
  • r/r follikulärem Lymphom (FL) nach 3 oder mehr systemischen Therapien.

 

Brexucabtagen autoleucel (Tecartus, Kite, Zulassung Dezember 2020): gegen CD19 gerichtet. Zur Behandlung von Erwachsenen mit:

  • Mantelzell-Lymphom (MCL), wenn die Erkrankung therapierefraktär ist oder ein Rezidiv auftritt (r/r MCL). Die Behandlung ist nach mindestens 2 Vortherapien inklusive einer Behandlung mit einem Bruton-Tyrosinkinase (BTK)-Inhibitor indiziert;
  • rezidivierter/refraktärer B-Zell-Vorläufer akuter lymphoblastischer Leukämie (r/r ALL) ab einem Alter von 26 Jahren.

Ciltacabtagen autoleucel (Carvykti, Janssen, Zulassung Mai 2022): gegen B-Zell-Reifungs-Antigen (BCMA) gerichtet. Zur Behandlung von Erwachsenen mit:

  • r/r multiplem Myelom, die mindestens eine Vortherapie erhalten haben, darunter einen Immunmodulator und einen Proteasom-Inhibitor, und die während der letzten Therapie eine Krankheitsprogression zeigten und gegenüber Lenalidomid refraktär sind.


Idecabtagen vicleucel
(Abecma, BMS, Zulassung August 2021): gegen BCMA gerichtet. Zur Behandlung von Erwachsenen mit:

  • r/r multiplem Myelom, die mindestens 2 Vortherapien erhalten haben, darunter einen Immunmodulator, einen Proteasom-Inhibitor und einen CD38-Antikörper, und die während der letzten Therapie eine Krankheitsprogression zeigten.


Lisocaptagen maraleucel 
(Breyanzi, BMS, Zulassung April 2022): gegen CD19 gerichtet. Zur Behandlung von Erwachsenen mit:

  • diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL), hochmalignem B-Zell-Lymphom (HGBCL), primär mediastinalem großzelligem B-Zell-Lymphom (PMBCL) und follikulärem Lymphom Grad 3B (FL3B), die innerhalb von 12 Monaten nach Abschluss der Erstlinien-Chemoimmuntherapie rezidivierten oder gegenüber dieser Therapie refraktär sind;
  • r/r DLBCL, PMBCL und FL3B nach 2 oder mehr Linien einer systemischen Therapie;
  • r/r follikulärem Lymphom (FL) nach 2 oder mehr Linien einer systemischen Therapie;
  • r/r Mantelzell-Lymphom (MCL) nach mindestens 2 Linien einer systemischen Therapie, einschließlich eines Bruton-Tyrosinkinase (BTK)-Inhibitors.


Obecabtagen Autoleucel 
(Aucatzyl, Autolus GmbH, Zulassung Juli 2025): gegen CD19 gerichtet. Zur Behandlung von erwachsenen Patienten ab 26 Jahren mit r/r B-lymphoblastischer Leukämie (B ALL). Das Präparat ist derzeit in Deutschland noch nicht in den Handel eingeführt.

Tisagenlecleucel (Kymriah, Novartis, Zulassung August 2018): gegen CD 19 gerichtet. Zur Behandlung von:

  • Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter bis einschließlich 25 Jahren mit r/r (Rezidiv nach Transplantation oder 2. oder späteres Rezidiv) akuter lymphatischer B-Zell-Leukämie (ALL);
  • erwachsenen Patienten mit r/r diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) nach 2 oder mehr Linien einer systemischen Therapie;
  • Erwachsenen mit r/r follikulärem Lymphom (FL) nach 2 oder mehr Linien einer systemischen Therapie.

Quellen & Weiterführende Hinweise

  • Medscape Deutschland – Bericht zu modernen CAR-T-Zell-Therapien in der Onkologie
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) & BSI – Erhebungen zu Immuntherapien und Herstellkosten
  • Informationen des Kompetenznetzes Maligne Lymphome (KML)