Brentuximab Vedotin (Adcetris) / Hodgkin Lymphom (HL)

Lymphome und zur Verfügung stehende Medikament und der Umgang mit Medikamenten
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maikom
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Brentuximab Vedotin (Adcetris) / Hodgkin Lymphom (HL)

Beitrag von maikom » Do 6. Nov 2014, 08:06

Brentuximab ist ein monoklonales Antikörper-Wirkstoff-Konjugat das sich gegen das Antigen CD30 richtet, einen typischen Marker für klassisches Morbus Hodgkin.

Brentuximab ist mittlerweile in über 45 Ländern für die Behandlung des rezidivierenden HL und des systemischen anaplastisch-großzelligen Lymphoms zugelassen. Brentuximab wird als intravenöse Infusion gegeben. Ein Zyklus Brentuximab ist relativ teuer, und kostet so ca 12.000 Euro.

Der Antikörper wird im Abstand von 3 Wochen als Infusion gegeben und gilt im Allgemeinen als sehr verträglich. Er kann auch ambulant und über die Vene gegeben werden.

Die gleichzeitige Anwendung von Brentuximab und Bleomycin ist aufgrund von pulmonaler Toxizität kontraindiziert.

Brentuximab bewirkt, gezielt gegen die CD30-positiven Hodgkin-Zellen gerichtet, bei 94% der Patienten eine reduzierte Tumorlast. 33% der Patienten gelangten unter Monotherapie (1,8 mg/kg als i.v.-Infusion alle 3 Wochen) in vollständige – weitere 41% in partielle Remission (Younes A et al. J Clin Oncol 2012;30:2183-2189). Bei einer medianen Beobachtungszeit von 35,1 Monaten ab der ersten Infusion von Brentuximab betrug das geschätzte Gesamtüberleben (OS) 41% und das mediane OS 40,5 Monate (Chen R et al. ASH 2015, Poster 2736).

Die Wirkungsweise von Brentuximab Vedotin lässt sich mit einem Trojanischen Pferd vergleichen. Der Wirkstoff schleicht sich mit einem biochemischen Trick in die Zellen ein und zerstört maligne Zellen von innen heraus. Sobald das Medikament die Hodgkin-Zelle zerstört, werden toxische Substanzen, so genannte Spindelgifte, freigesetzt und sich als neurologische Beeinträchtigungen manifestieren. Beim Einsatz von Brentuximab wird an einem durch Protease spaltbaren Linker an Monomethylauristatin E (MMAE) gebunden, einen Wirkstoff, der das Gleichgewicht der Mikrotubuli stört. Das ADC nutzt ein Linker-System, das im Blutkreislauf stabil bleibt, aber nach dem Einschluss in CD30 exprimierende Tumorzellen MMAE freisetzt. Vereinfacht: Nach Andocken des Antikörpers an CD30-positive Tumorzellen wird das ADC Adcetris in die maligne Zelle aufgenommen und die zytotoxische Substanz Monomethyl-Auristatin E (MMAE) freigesetzt.

Die Behandlung mit Brentuximab versucht eine kumulative periphere Neuropathie. Patienten sollten während der Infusion überwacht werden. Wenn eine infusionsbedingte Reaktion auftritt, muss die Infusion unterbrochen werden und es müssen geeignete medizinische Maßnahmen eingeleitet werden. Es können Anämien in Grad 3 oder 4, Thrombozytopenie und anhaltende (≥ 1 Woche) schwere Neutropenie auftreten. Vor jeder Infusion mit Brentuximab sollte ein komplettes Blutbild erstellt werden. Patienten müssen eng auf Fieber überwacht werden. Bei schwangeren Frauen kann zu Schädigungen des Fötus kommen.

Die häufigsten Nebenwirkungen (≥ 20 Prozent) waren Neutropenie, periphere sensorische Neuropathie, Müdigkeit, Übelkeit, Anämie, Infektionen der oberen Atemwege, Durchfall, Fieber, Hautausschlag, Thrombozytopenie, Husten und Erbrechen.

Brentuximab hat im Oktober 2012 von der EMA für Europa eine Marktzulassung erhalten. Brentuximab zur intravenösen Injektion hat von der US-amerikanischen Arzneimittelaufsichtsbehörde FDA die Zulassung erhalten zur Behandlung von Patienten mit Hodgkin Lymphom nach dem Versagen einer autologen Stammzelltransplantation (auto-HSCT) oder nach dem Versagen von mindestens zwei vorherigen Polychemotherapien. Ebenso bei Patienten, bei denen keine autologe Stammzelltransplantation in Betracht kommt. Die reguläre Zulassung besteht auch zur Behandlung von rezdivierten Hodgkin Patienten zur Stammzellen-Konsolidierung. DIE EMA Zulassung umfasst aktuelle die Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem CD30-positivem Hodgkin Lymphom nach autologer Stammzelltransplantation (ASCT) oder im Anschluss an mindestens zwei vorhergehende Therapien, wenn Stammzelltransplantation oder Chemotherapie mit mehreren Wirkstoffen keine Behandlungsoptionen sind. Im Januar 2016 stimmte die Europäische Kommission einer Änderung der Produktbeschreibung (Typ II) zu, mit der Daten zur Wiederbehandlung erwachsener Patienten mit Hodgkin-Lymphyom oder sALCL, die früher auf Brentuximab angesprochen und später ein Rezidiv erlitten hatten, in die zusammenfassende Produktbeschreibung aufgenommen werden. Desweiteren besteht seit Juli 2016 die EMA Zulassung für Europa als anschließende Konsolidierungstherapie nach einer Stammzellentransplantation.

Brentuximab ist derzeit in mehr als 60 Ländern für die Behandlung von rezidiviertem oder refraktärem Hodgkin-Lymphom und systemischem anaplastisch-großzelligem Lymphom (sALCL) zugelassen.

Brentuximab wurde von Seattle Genetics und Takeda entwickelt. Gemäß den Bedingungen der Vereinbarung hält Seattle Genetics die Vermarktungsrechte an Brentuximab in den USA und Kanada, während Takeda die Vermarktungsrechte im Rest der Welt hat.

Weiterführende Links: http://de.wikipedia.org/wiki/Brentuximab

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